AGR

Aktionsgemeinschaft Rottenburg

Prof. Dr. Ilona Riedel-Spangenberger

Kirchenrechtliche Bemerkungen zur "Instruktion über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester"

13. November 1997


 


Viele Gründe haben in der Kirche dazu geführt, daß nach den organisatorischen Möglichkeiten gefragt wird, die für die notwendige Seelsorge (cura animarum) erforderlich sind, vor allem in den Gemeinden (communitates fidelium), für die kein eigener Pfarrer (pastor proprius) mehr zur Verfügung steht. Darauf hat man in den deutschsprachigen Diözesen mit verschiedenen Konzepten für eine sogenannte "kooperative Pastoral" reagiert; diese wird von Priestern, Diakonen und durch den jeweiligen Bischof beauftragten Laien wahrgenommen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem theologisch begründeten und kirchenrechtlich geordneten Zusammenwirken dieser verschiedenen pastoralen Dienste. Papst Johannes Paul II. hat zu dieser Frage nun die o.g. Instruktion in Kraft gesetzt. Diese Instruktion gibt neben einer Reihe möglicher emotionaler und theologischer Reaktionen auch den Anlaß zu kirchenrechtlichen Erörterungen. Die Problemstellung selbst ist bereits gemäß den theologischen Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils im geltenden Kirchenrecht gelöst und eine diesbezügliche organisatorische Regelung erfolgt. Aus dem Blickwinkel der geltenden kirchlichen Rechtslage sind dazu einige Anmerkungen zur Instruktion zu machen.


 


1.Formaler Aspekt: Instruktionen sind keine neuen Gesetze


 


In formaler Hinsicht handelt es sich bei der Instruktion um eine Äußerung des Papstes, die universalkirchlich geltenden gesetzlichen Bestimmungen unterliegt und bestimmte Rechtswirkungen hat, die sich aus dieser Form der päpstlichen Äußerung ergeben. Der c. 34 § 1 CIC/1983 bestimmt im Rahmen einer Legaldefinition die rechtliche Geltung und Verpflichtungskraft einer Instruktion. Demnach dienen Instruktionen dazu, die Vorschriften der geltenden Gesetze zu erklären und zu bestimmen, die bei der Ausführung der betreffenden Gesetze zu beachten sind. Diese Ausführungsbestimmungen richten sich an diejenigen (Normadressaten), die für die Ausführung der einschlägigen Gesetze zu sorgen haben. Sie verpflichten diese auch bei der Anwendung der Gesetze. Instruktionen können nur von denen erlassen werden, die ausführende Vollmacht (potestas iurisdictionis executiva) in der Kirche besitzen und das auch nur innerhalb der Grenzen ihrer Zuständigkeit. Diese rechtliche Definition bestimmt, daß Instruktionen nur der Anwendung bereits bestehender und geltender Rechtsnormen dienen und unmittelbar davon Betroffenen keine neuen Rechte und Pflichten auferlegen. Aus diesem Grund werden Instruktionen in der kirchlichen Rechtspraxis auch "Ausführungsbestimmungen", "Durchführungsverordnungen", "Verwaltungsordnungen" oder "Verwaltungsvorschriften" genannt.


In c. 34 § 2 wird der unbedingte Vorrang der kirchlichen Gesetze gegenüber dem erläuternden Charakter von Instruktionen betont. Geltende Gesetze können durch Instruktionen weder aufgehoben noch ungültig gemacht werden. Wenn Instruktionen nicht mit den Vorschriften geltender Gesetze in Einklang gebracht werden können, entbehren sie jeglicher Rechtskraft. Die Nachrangigkeit einer Instruktion gilt gemäß c. 34 § 3 gegenüber allen geltenden kirchlichen Gesetzen, unabhängig davon, ob es sich um Gesetze von einer über-, neben- oder nachgeordneten kirchlichen Autorität handelt. Die Rechtskraft der Instruktion endet nicht nur durch ausdrücklichen oder einschlußweisen Widerruf des betreffenden Gesetzes seitens der zuständigen kirchlichen Autorität, sondern auch durch den Wegfall des Gesetzes, zu dessen Erklärung oder Ausführung diese angeordnet wurde.


Die vorliegende Instruktion zeichnet sich in formaler Hinsicht auch dadurch aus, daß sie vom Papst "in forma specifica" approbiert wurde. Entsprechend der Geschäftsordung der Römischen Kurie ("Regolamento") ist diese Form der Approbation zwingend erforderlich, wenn einzelne, genau bezeichnete Gesetze abgeändert oder aufgehoben werden sollen (Art. 109 und 110). Dazu ist allerdings der Erlaß eines Dekretes oder eines Gesetzes erforderlich. Die Form einer "in forma specifica" approbierten Instruktion ist auch vom Regolamento der Kurie rechtlich nicht vorgesehen. Auch mit dieser spezifischen Approbation erhält die Instruktion keinerlei rechtsverändernde Wirkung.


Insofern werden durch die vorliegende Instruktion des Papstes keine neuen rechtlichen Bestimmungen erlassen.


 


2. Titel und Thema: Das Apostolat und die Teilhabe aller Gläubigen am gemeinsamen Priestertum sowie die Beauftragung von Laien durch die kirchliche Autorität zum Handeln im Namen der Kirche


 


Im Unterschied zum II. Vatikanischen Konzil und zu dem ihm folgenden Codex Iuris Canonici von 1983, die beide gleichermaßen von der gemeinsamen Sendung aller Gläubigen an der ganzen Sendung der Kirche ausgehen und auf dieser Grundlage dann die notwendigen Differenzierungen (condiciones) zum Tätigwerden der Gläubigen in Kirche und Welt vornehmen (vgl. LG 32; GS 49,61; c. 208 CIC/1983), geht die Instruktion von der Sendung der Priester aus und will in Abhängigkeit davon, die "Mitarbeit der Laien" bestimmen. Bezugspunkt für die kirchliche Tätigkeit der Laien ist somit der Kreis von Gläubigen, der das Sakrament der Weihe (sacramentum ordinis) zum Presbyterat, d.h. die Priesterweihe empfangen hat (vgl. cc. 1008, 1009 § 1). Diese Weihe bedeutet eine Stufe des dreifach gegliederten Weihesakramentes (Episkopat, Presbyterat, Diakonat) und insofern die der jeweiligen Weihestufe entsprechende Befähigung bzw. Bestimmung (deputatio) zur Ausübung der drei Aufgaben (munera) des Lehrens, des Heiligens und des Leitens in der Person Christi des Hauptes der Kirche. Als in dieser Weise in Pflicht genommene Personen sind die Priester ihrer Weihestufe entsprechend in enger Verbindung mit ihren jeweiligen Ortsbischöfen bestimmt bzw. befähigt, Hirten des Volkes Gottes zu sein (vgl. c. 1008: pascant). Mit der Priesterweihe ist jedoch noch kein spezifisches kirchliches Amt (officium; vgl. c. 145) und auch noch keine Leitungsvollmacht (potestas iurisdictionis; vgl. c. 129 § 1) gegeben.


Zwar ist der Empfang des Weihesakramentes das Unterscheidungskriterium zwischen Laien und Klerikern (ministri sacri = Bischöfe, Priester und Diakone; vgl. LG 10, 20, 30-33 und c. 207 § 1 CIC/1917), aber die Stellung und Tätigkeit der Laien hat das II. Vatikanische Konzil nicht exklusiv aus der Relation zum "Dienst der Priester" konzipiert, wie es die Überschrift der Instruktion nahelegt. Das Konzil spricht vielmehr im Kontext der universalen Heilssendung aller Gläubigen und in Beziehung zu den Trägern kirchlicher Leitungsvollmacht (potestas iurisdictionis), vor allem in Beziehung zu den Diözesanbischöfen, von den Laien.


 


3. Ausgangspunkt und Analyse: Vielfältige Gründe für den Priestermangel und Instanzen für die Klärung mißverstandener Identitäten


 


Zentrale Funktion hat die Analyse der Instruktion, daß die Entwicklung nichtpriesterlicher pastoraler Dienste zu einem Rückgang der Kandidaten für das Priestertum (Instruktion S. 14) und zu Störungen in der Entwicklung priesterlicher Identität (Instruktion S. 35) geführt hat. Diese These, die nicht näher belegt und begründet wird, liegt der Instruktion zugrunde. Eine Vielschichtigkeit der Gründe für den Priestermangel wird nicht angesprochen. Insofern insinuiert die Instruktion eine Frontstellung zwischen Priestern und Laien, die aufgrund einiger wirklich vorhandener Mißverständnisse der je eigenen Identität von Priestern und kirchenamtlich beauftragten Laien in dieser Weise jedoch nicht zu generalisieren ist, liegen doch für die meisten deutschsprachigen Diözesen partikularrechtliche Ordnungen für beide Gruppen vor. Zur Abstellung von diesbezüglichen Mißverständnissen und Mißbräuchen wären die zur Erörterung disziplinarischer Fragen in der Kirche vorgesehenen Möglichkeiten geeigneter, wie z.B. die Außerordentlichen Bischofssynoden, die Ad limina-Besuche der Bischöfe, die Vermittlung des jeweils zuständigen päpstlichen Gesandten sowie andere Gesprächsebenen mit den Bischöfen der Ortskirchen, für die es in der Kirche eine solide Rechtsgrundlage gibt.


 


4. Systematisch-methodische Fragen: Klare Begriffe verhindern Konflikte und erleichtern das Verständnis


Die Instruktion ist in deutscher Sprache veröffentlicht. Sie richtet sich erkennbar an die Bischöfe und Bischofskonferenzen des deutschen Sprachbereichs (Instruktion S. 9). In deutscher Sprache werden auch zentrale Begriffe wiedergegeben, denen in einzelnen Fällen lateinische kirchliche Rechtsbegriffe hinzugefügt werden. Dieses methodische Vorgehen ist aber eher verwirrend als klärend, weil nämlich die deutschen Begriffe (vor allem die Begriffe Amt und Dienst) keinesfalls geprägte und eindeutig bestimmte kirchliche Rechtsbegriffe darstellen. So ist auch nicht überprüfbar, ob die mitunter zugewiesenen lateinischen Begriffe den theologischen und kirchenrechtlichen Vorgaben entsprechend verwendet werden oder nicht.


Dieses Manko wird vor allem im Artikel 1 der Instruktion deutlich, wo über den Mangel an angemessener Terminologie geklagt wird. Aufgrund des genannten methodischen Problems wird dieser Mangel durch die Instruktion jedoch nicht behoben. Es reicht nicht aus, die Verwendung bestimmter Begriffe zu verbieten (Instruktion S. 18) und gleichzeitig eine positive Begrifflichkeit schuldig zu bleiben. Am Beispiel des c. 517 § 2 CIC/1983 hat Heribert Schmitz schon längst nachgewiesen, zu welch unbefriedigenden Zuständen dieser Mangel an positiver bestimmter und rechtlich wie theologisch vertretbarer Begrifflichkeit führt.


Ein anderes, beinahe generelles Problem entsteht in der Instruktion aufgrund der Tatsache, daß die Begriffe "ordentlich" (ordinarius) und "außerordentlich" (extraordinarius) im Sinne von Regelfall und Ersatzfall umgedeutet werden (z.B. Instruktion Artikel 8, S. 28f.). In der Kanonistik sind diese Begriffe dergestalt bestimmt, daß sie eine mittels eines Amtes unmittelbar übertragende Vollmacht oder Aufgabe (ordinarius) von einer solchen Vollmacht oder Aufgabe unterscheiden, die einer eigenen Beauftragung bedarf (extraordinarius). Vgl. dazu c. 131 CIC/1983.


Bei der Zitation einzelner Canones fällt zudem auf, daß diese oft nicht gemäß c. 17 CIC/1983 interpretiert werden. Die häufige Bezugnahme auf c. 230 §§ 1-3 CIC/1983 verdeutlicht zum Beispiel eine solche unkorrekte Auslegung. Dort geht es nämlich um drei verschiedene Arten der Beauftragung von Laien zum Akolythen oder Lektor, nicht jedoch um Regel-, Ausnahme- oder Verbotsfall:


1) Zum "ministerium" des Akolythen und Lektors auf Dauer können männliche Laien herangezogen werden (assumi possunt). Dies geschieht in einem dafür vorgeschriebenen liturgischen Akt.


2) Eine zeitlich begrenzte Bestellung (temporanea deputatio) zur Aufgabe (munus) des Lektors können Laien (d.h. Männer und Frauen) erhalten. Dies geschieht durch einen rechtlichen Akt der dafür zuständigen kirchlichen Autorität.


3) Wenn die kirchlichen Verhältnisse es erforderlich machen (necessitas), können Laien (d.h. Männer und Frauen) die notwendigen Handlungen (officia) ausführen, die sonst Akolythen und Lektoren vornehmen, nämlich den Dienst am Wort (ministerium verbi), die Leitung liturgischer Gebete (precibus liturgicis praeesse), die Taufspendung (baptismum conferre) und die Austeilung der hl. Kommunion (sacram Communionem distribuere). Die Aufforderung zu diesen Handlungen geschieht nach Maßgabe des Rechts (Ius liturgicum) durch die jeweils zuständige kirchliche Autorität. Diese Differenzierung wird in der Instruktion nicht beachtet.


 


4. Theologische Fragen: Zum Verständnis des Laien und zu seiner Beteiligung an pastoralen Aufgaben


 


In der Instruktion wird durchgängig versucht, den Laien und das Apostolat der Laien einseitig und ausschließlich in der weltlichen Ordnung zu verankern und den Priester und seine Sendung in der geistlichen Ordnung. Daraus werden Vorrang und Nachrangigkeit abgeleitet. Gemäß den Aussagen des II. Vatikanischen Konzils ist diese Zweiteilung überwunden (vgl. LG, AA, GS). Ebenso wird hinsichtlich der Bestimmung der Priester einseitig und ausschließlich bei der Frage nach der "potestas" angesetzt. Die Laien erscheinen so, in einer vom Konzil längst überholten Definition, als die Gläubigen, denen keine "potestas" zukommt und die nicht an der "potestas iurisdictionis" beteiligt werden können (vgl. Instruktion, S. 12).


Vielmehr verhält es sich so, daß den Laien aufgrund von Taufe und Firmung "Pflicht und Recht zum Apostolat ... kraft ihrer Vereinigung (unio) mit Christus, dem Haupt" zukommt. (Vgl. AA 2 und 3) Sie haben ihren eigenen Anteil an der Verwirklichung der "munera" Christi als Prophet, Priester und König und sind verpflichtet zum Zeugnis und zur Weitergabe des Glaubens, zur aktiven Teilnahme an den Feiern der Sakramente und an den Gottesdiensten wie auch zur Auferbauung und Wahrung der kirchlichen Gemeinschaft. Auf diese Weise qualifiziert, kommt ihnen auch "potestas" zu (vgl. LG 36). Dieses Apostolat der Laien, das sich nicht exklusiv auf ihren spezifischen Weltauftrag bezieht, erstreckt sich auf die universale Heilssendung der Kirche und wird als "onus praeclarum" qualifiziert.


Darüber hinaus spricht das Konzil auch noch von spezifischen Apostolatsformen der Laien. Als eine solche besondere Art ihres Apostolats erwähnt das Konzil gemeinschaftliche Ausübungsformen wie die Katholische Aktion, gemeinschaftliche Unternehmungen und die der Hierarchie geltende beratende Tätigkeit von Laien (Vgl. AA 26, 37). Diese Art der Ausübung des Laienapostolats wird als "cooperatio laicorum cum apostolatu hierarchico" qualifiziert, was durch ein ausdrückliches "mandatum" durch die Hierarchie als Handeln im Namen der Kirche, das über den Rahmen des privaten und persönlichen Engagements der Laien hinausgeht, qualifiziert (sancire) werden kann, nicht aber in jedem Fall in dieser Weise qualifiziert werden muß. Eine weitere Form der "cooperatio laicorum cum apostolatu hierarchico" durch Laien begründet das II. Vatikanische Konzil biblisch (vgl. LG 33). Demnach kann von der kirchlichen Hierarchie die Befähigung (aptitudo) der Laien zu einigen Aufgaben im Namen der Kirche angenommen werden, so daß solche entsprechend geeigneten Laien von der Hierarchie zu solchen Aufgaben herangezogen werden können (ad quaedam munera ecclesiastica ab Hierarchia adsumantur). Mittels einer Beauftragung (mandatum) können den Laien demzufolge Aufgaben (munera) durch die kirchliche Hierarchie übertragen werden, die mit den Ämtern und der Vollmacht der Träger kirchlicher Leitungsvollmacht verbunden sind bzw. von diesen abhängig sind. Die auf diese Weise formell beauftragten Laien haben Anteil an der Ausführung der Sendung (missio specifica) der Hirten (pastores). Das kann im Bereich der Verkündigung und Unterweisung in der christlichen Lehre, bei liturgischen Handlungen, in der Seelsorge (cura animarum) und bei der Ausübung von kirchlicher Leitungsvollmacht sein (vgl. AA 21, 24 und cc. 129 § 2, 517 § 2, 230 §§ 2 und 3, 766, 1112 § 2, 910 § 2, 1168, 1167 § 2, 759 § 1, 805, 229 § 3, 810, 812, 818, 1421 § 2, 1424, 1428 § 2, 1528, 1435, 363 § 2, 1112 §§ 1-2, 519). Kraft der ihnen von der kirchlichen Autorität dazu erteilten kanonischen Sendung, die nach Maßgabe des Rechts in unterschiedlichen Formen erteilt werden kann, unterstehen solche Laien, bei der Ausübung der ihnen anvertrauten Aufgaben (munera) oder Kirchenämter (officia) der höheren kirchlichen Leitung, d.h. sie können ohne eine kanonische Sendung, die über die Rechte und Pflichten aus der Taufe und der Firmung hinausgeht, diese Aufgaben oder Ämter im Auftrag der kirchlichen Autoritäten nicht ausüben. Bezugspunkt für eine solche kirchliche Tätigkeit ist in der Regel der Diözesanbischof, der die kanonische Sendung im Rahmen des geltenden Rechts erteilt.


Wer zum Priester geweiht ist, hängt in der Ausübung seiner "potestas" auch von dem ihm eigenen Bischof ab (vgl. LG 28). Er hat auf der Stufe seines Dienstes am Mittleramt Christi teil und übt entsprechend dieser anteiligen Autorität die Aufgaben Christi als Hirte und Haupt der Kirche in Abhängigkeit und unter der Autorität seines Bischofs aus. Deshalb nennt das Konzil die Priester Mitarbeiter, Helfer und Organe des Bischofs. Sie müssen ihre Tätigkeit als Stellvertreter Christi, in dessen Auftrag und Namen sie handeln, und zugleich als Mitarbeiter (cooperatores) ihres Bischofs und in Abhängigkeit von ihm ausüben, so daß sie "im ganzen Umfang priesterlicher Vollmacht ... an der apostolischen Sendung der Bischöfe" teilhaben und die drei "munera" in umfassender Weise und die Sendung in der Person Christi nur vollziehen dürfen, wenn sie auch in der Gemeinschaft mit ihrem Bischof stehen (vgl. LG 21, 27, 28; PO 1, 6, 7; CD 15, 30; AA 25). Insofern sind die Priester die Mitarbeiter ihres Bischofs, an dessen apostolischer Sendung sie teilhaben. Sie sind grundsätzlich befähigt zur Übernahme von Leitungsvollmacht (vgl. c. 129 § 1) und zur Übernahme des Hirtendienstes, der für die umfassende Seelsorge (plena cura animarum) allen drei "munera" entsprechen muß (vgl. cc. 150, 1008).


Bei den Priestern handelt es sich also um eine konstitutiv anders begründete Teilhabe an der apostolischen Sendung als bei solchen Laien, die für einzelne Bereiche des Handelns im Namen der Kirche, die nicht den Empfang des Weihesakramentes voraussetzen, mittels einer von der kirchlichen Autorität ausgehenden kanonischen Sendung ermächtigt werden können.


Wenn im Zusammenhang mit den Priestern und den Laien vom Amt gesprochen wird (vgl. Instruktion S. 13), so sind dabei zwei verschiedene Kategorien auseinanderzuhalten: zum einen die Weihe als Sakrament, das zwar eine spezifische Befähigung und Bestimmung enthält, aber noch nicht die Übertragung eines Kirchenamts (officium) beinhaltet. Im kirchen- rechtlichen Sinn ist ein Kirchenamt jedes "munus", das aufgrund göttlicher oder kirchlicher Weisung eine dauerhafte Einrichtung ist und der Wahrnehmung eines geistlichen Ziels (finis spiritualis) dient (c. 145 § 1). Demnach kann sowohl denen, die die "plena cura animarum" wie auch denen, die einzelne "munera" der "cura animarum" oder "potestas iurisdictionis" auszuüben haben, ein Kirchenamt im rechtlich festgelegten Sinn übertragen werden. Der Unterschied zwischen beiden Amtsträgern besteht dann in der Zuweisung einerseits einzelner munera, die von einer kanonischen Sendung abhängig sind, und andererseits aller drei munera, deren umfassende Ausübung den Empfang des Weihesakraments voraussetzt. Nach der geltenden Rechtslage gibt es Ämter, mit denen die Seelsorge in ihrer Vollform mit allen pastoralen Aufgaben verbunden ist, die nur Priestern zugänglich sind. Aber es gibt auch Ämter, zu denen nicht die volle Seelsorge gehört. Diese können Priestern wie auch Nichtpriestern (d.h. Diakonen sowie Männern und Frauen als Laien) übertragen werden. Die mit dem einzelnen seelsorgerischen Amt verbundenen Aufgaben sind dem speziellen Amtsauftrag zu entnehmen (c. 145 § 2), der immer auf die Betreffende Person bezogen ist.


Es bleibt dem kirchlichen Gesetzgeber überlassen, wie er diese kirchlichen Ämter im einzelnen benennt. Der universalkirchliche Gesetzgeber hat dafür im CIC/1983 durchaus angemessene Begriffe geprägt, die die seelsorgerlichen Aufgaben, die von Laien wahrgenommen werden, von der umfassenden Seelsorge durch Priester unterscheiden.


 


17. November 1997


Univ.-Prof. Dr. Ilona Riedel-Spangenberger


Johannes Gutenberg-Universität Mainz





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