Aktionsgemeinschaft Rottenburg
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Nach Mißbrauchsskandal und Prügelvorwürfen sorgt die Kirche für neue unsägliche Schlagzeilen: Die konservative Mehrheit der Bischofskonferenz entzieht Pfarrer Michael Broch, dem geistlichen Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuches, das Vertrauen. Darauf legte Pfarrer Broch sein Amt, das er erst wenige Wochen zuvor übernommen hatte, nieder. Hintergrund des Vertrauensentzugs waren kritische Äußerungen zur Lage der Kirche in der Leonberger Zeitung.
Wie stellen sich die Bischöfe das eigentlich vor: Ausbildung eines „publizistischen Nachwuches“ mit Maulkorb? Sie dürfen nicht einmal das sagen, was inzwischen die Mehrheit der Katholiken von allen Dächern pfeifft? Es ist wirklich nicht zu glauben!
Und wie ist der steigende Kirchenaustritt zu bewerten? Ist das nicht auch ein Vertrauensentzug, ein Vertrauensentzug von Gläubigen jenen gegenüber, die die Kirche verantwortlich leiten, aber die entscheidenden Themen nicht in die Hand nehmen? Ein Vertrauensentzug ohne Konsequenz?
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Erklärung der AGR zum Rücktritt von Pfr. Michael Broch
Mit Enttäuschung haben wir zur Kenntnis genommen, dass Pfr. Michael Broch nach seinem kirchenkritischen Interview in der Leonberger Kreiszeitung nach nur wenigen Wochen vom Amt des Geistlichen Direktors des „Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses“ zurücktreten musste. Auch wenn es seine persönliche Entscheidung war, ist es doch offenkundig geworden, dass zahlreiche Bischöfe ihm das Vertrauen entzogen und ihn zu diesem Schritt gedrängt haben.
In einer Zeit, in der unsere Kirche in einer großen Vertrauenskrise steckt und von einem Großteil des Kirchenvolkes in unserem Land zukunftsorientierte Reformen erwartet werden, ist dieser Umgang mit einem kompetenten und loyalen Priester aufgrund einiger kritischer Äußerungen nicht nachzuvollziehen.
Wir fragen uns, wie unsere Kirche Vertrauen wieder gewinnen soll, wenn öffentlich geäußerte Kritik dermaßen sanktioniert wird und die Diskussion über die „brennenden Fragen“ wie die der katholischen Sexualmoral, der Leitungsstruktur, des Zugangs zum priesterlichen Amt, der Pastoral mit Wiederverheiratet Geschiedener oder der „eucharistischen Gastfreundschaft“ in der außer- wie innerkirchlichen Öffentlichkeit nicht angstfrei geführt werden kann.
Wir wissen aus unserer eigenen Arbeit und dem Austausch innerhalb der AGR, dass zahlreiche Priester, die kompetent und verantwortungsvoll ihren Dienst vollziehen, zugleich zu vielen innerkirchlichen Themen kritisch Position beziehen – und das aus einer echten Sorge um eine evangeliumsgemäße Zukunftsgestalt unserer Kirche.
Von den Bischöfen erwarten wir, dass sie sich entschieden dafür einsetzen, dass ein ehrlicher und angstfreier Austausch über die aktuellen Themen und Fragen möglich ist. Nur wenn es eine offene Diskussion auf breiter Basis gibt, können wir Vertrauen zurück gewinnen und die Kommunikationskrise unserer Kirche überwinden.
(kk)
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