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Aktionsgemeinschaft Rottenburg

Brief der Pastoralkonferenz des Dekanates Heidenheim zur „Instructio“ an Bischof Dr. W. Kasper



Katholisches Dekanat Heidenheim Bühlstraße 23
D - 89522 Heidenheim 11. Dezember 1997


Dr. Walter Kasper von-Keppler-Straße 7
Rottenburg am Neckar


Geehrter Bischof Kasper,

heute nachmittag traf sich eine von der Pastoralkonferenz des Dekanates Heidenheim beauftragte Gruppe von Priestern und hauptamtlichen Laien sowie der Zweite Vorsitzende des Dekanatsrates und seine Stellvertreterin, um nach intensiver Beschäftigung mit der „Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester" vom 15. August 1997 Ihnen diesen Brief zu schreiben.

Zunächst möchten wir Ihnen nochmals ausdrücklich danken für den mutigen und aufgeschlossenen pastoralen Weg, den wir in den letzten Jahren in unserer Diözese miteinander gehen und gestalten konnten! Trotz mancher Schwierigkeiten sind dabei Gemeinden entstanden, die sich als Teil des Volkes Gottes ernst genommen fühlen und miteinander die Botschaft des Evangeliums zu leben und ihren gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen suchen. Priester und Laien verstehen sich dabei als Teil des einen Volkes Gottes in ihrer gemeinsamen Sendung.

Gerade im Dekanat Heidenheim dürfen wir erfreut feststellen, wie viele haupt- und vor allem ehrenamtliche Laien sich in großherziger Weise in dieser unserer Kirche engagieren. Ohne sie wäre die Kirche heute – in einer gesellschaftlich schwierigen Zeit – nicht das, was sie ist und hoffentlich in Zukunft noch besser sein wird.

Hilfreich waren uns dabei das Stichwort der geschwisterlichen Kirche und der Weg von der versorgten zur sich sorgenden Gemeinde. Um so schmerzlicher trifft uns die „neue" Instruktion aus Rom. Mit Ihnen und mancher Ihrer Kollegen im Bischofsamt teilen wir die Sorgen um die Auswirkungen und Folgen dieser Instruktion. Wir möchten Ihnen als unserem Bischof unsere Solidarität zusagen in der Gestaltung einer evangeliumsgemäßen Kirche, so wie wir von Ihnen Ihre Solidarität erhoffen, den eingeschlagenen Weg in unserer Diözese auch weiterhin zu unterstützen, gleichwohl uns bewußt ist, wie ungleich schwieriger Ihre Situation als Bischof in der derzeitigen Lage ist.

Traurig gemacht und befremdet haben uns nicht nur einige „praktische Verfügungen“ der Instruktion, sondern auch einige Passagen der theologischen Grundlegung. Denn trotz der Herausstellung der Bedeutung der Laien für die Kirche zu Beginn des Schreibens vermissen wir ein klares Bekenntnis zur Communio-Theologie, die u.a. in weiten Passagen der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils, in den Texten der gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland und unserer Diözesansynode zu finden ist und seither unser kirchliches Leitbild wurde. Befremdet uns bereits im Vorwort die Unterscheidung von „Gottgeweihten und Laien“, die unserer Meinung nach im Widerspruch steht zum „Dekret über das Apostolat der Laien“ des II. Vatikanischen Konzils vom 18. November 1965, in dem es heißt: „Denn durch die Taufe dem Mystischen Leib Christi eingegliedert und durch die Firmung mit der Kraft des Heiligen Geistes gestärkt, werden sie (die Laien! d.V.) vom Herrn selbst mit dem Apostolat betraut. Sie werden zu einem königlichen Priestertum und zu einem heiligen Volk (vgl. 1 Petr. 2,4-10) geweiht, ...“ scheint uns die Unterscheidung zwischen dem „gemeinsamen Priestertum der Gläubigen“ und dem „Priestertum des Dienstes“ (Theologische Prinzipien, 1.) sehr unglücklich und mißverständlich gewählt, verstehen wir uns doch als Getaufte alle als Dienerinnen und Diener Christi in dieser unserer Kirche und für die Menschen. Wenige Zeilen später wird deutlich, wozu die Unterscheidung dienen soll: „Demzufolge ist das Amtspriestertum‚ vom gemeinsamen Priestertum dem Wesen nach verschieden, denn es verleiht eine heilige Vollmacht zum Dienst an den Gläubigen'.“

Kommt hier nicht die alte „Versorgungspastoral“ wieder zur Geltung? Und wieder wenige Zeilen weiter ist zu fragen, ob die Priester denn nicht zum Gottesvolk gehören, wenn sie erst daran gebunden werden müssen? Gravierender und problematischer erscheint uns aber der Satz im 3. Kapitel der theologischen Prinzipien: „Wenn nämlich in der Gemeinde kein Priester vorhanden ist, dann fehlt der Dienst ... Christi, ...“ Steht diese Aussage nicht in eklatantem Widerspruch zum 7. Abschnitt der „Konstitution über die Heilige Liturgie“ des II. Vatikanischen Konzils, wo es ausdrücklich heißt: „Gegenwärtig ist er (Christus, d.V.) in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: ‚Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen' (Mt 18,20)“?

Stellen der Instruktion könnten angeführt und entsprechend gegengelesen werden. Die dann folgenden „praktischen Verfügungen“ der Instruktion leiten sich logisch aus den dargebotenen „theologischen Prinzipien“ ab. Deshalb möchten wir Sie bitten, mit uns, aber auch mit Ihren Kollegen im Bischofsamt, nicht nur über die praktischen Verfügungen, sondern auch über die zugrunde gelegten theologischen Prinzipien zu diskutieren, die unserer Meinung nach sowohl von der Theologie des II. Vatikanischen Konzils wie von Ihrer eigenen Communio-Theologie abweichen. Was nun die „praktischen Verfügungen“ selbst betreffen, so haben uns folgende Punkte beschäftigt:

Obwohl uns bewußt ist, daß die Homilie von qualifizierten Laien in der Eucharistiefeier die Tendenz zum „Wandlungspriester“ fördern könnte, können wir ein grundsätzliches Homilieverbot für Laien in der Eucharistiefeier – gerade auch durch die guten Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte – nicht gutheißen. Ein solches Verbot widerspricht der Berufung der Laien, von der es im Dekret über das Apostolat der Laien im 2. Kapitel, Abschnitt 6, heißt: „ein wahrer Apostel (gemeint ist das Laienapostolat d.V.) sucht nach Gelegenheiten, Christus auch mit seinem Wort zu verkünden, sei es den Nichtgläubigen, um sie zum Glauben zu führen, sei es den Gläubigen, um sie zu unterweisen, zu stärken und sie zu einem einsatzfreudigen Leben zu erwecken“. Ist das nicht auch die Aufgabe der Homilie?

Zu Artikel 4 der „praktischen Verfügungen“ schreibt uns ein Priester unsres Dekanates: „Ich bin jetzt ... schon ausgearbeitet. Ich habe die ganze Zeit 120% gebracht, 10 Stunden am Tag, 6 ½ Tage in der Woche. Ich habe mich nicht beklagt. Ich habe meinen schönen und auch sehr schweren Dienst gerne getan. Jetzt lassen aber sehr die Kräfte nach. Ich kann nicht und ich möchte nicht bis 75 arbeiten.“

Warum erwähnt die Instruktion nicht, daß der sog. Priestermangel „hausgemacht“ ist und mitverursacht ist durch die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, die nicht biblisch sind?

Artikel 5 hat uns sehr erregt. Wie sollen wir denn Männer und Frauen vor allem in den Kirchengemeinderäten, dem Dekanatsrat und dem Diözesanrat zu verantwortungsvoller Mitarbeit gewinnen, wenn sie lesen müssen, daß Gremien „denen auch Laien angehören, ... nur beratendes Stimmrecht (haben)“? Deshalb sehen wir keine Möglichkeit, den Artikel 7 den Gemeinden verständlich zu machen. Wir können doch nicht einerseits Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter ausbilden und dann den Gemeinden sagen, daß ein Wortgottesdienst am Sonntag nicht das Sonntagsgebot erfüllt?

Und zahlen wir mit dem Vorschlag am Ende von §2 nicht einen Tribut an die mobile Gesellschaft und grenzen diejenigen aus, die sich nicht mehr auf den weiten Weg zu einer Eucharistiefeier machen können? Überdies, welches Gemeindeverständnis steht denn hinter einer solchen Anregung?

Unmöglich erscheint uns der Artikel 8: Wie sollen wir denn Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfern verständlich machen, daß ihr Dienst nur aus zeit-pragmatischen Gründen erwünscht, dann aber durchaus möglich ist? Was sind denn unsere liturgischen Maßstäbe? Könnte nicht im Gegenteil ein solcher Dienst deutlich machen, daß die Gemeinde Trägerin der Liturgie ist, wie es das Anliegen der Liturgischen Bewegung war und im Begriff der „tätigen Teilnahme der Gläubigen“ (Liturgiekonstitution) zum Ausdruck kommt?

Auch die nachfolgenden Artikel enthalten Diskussionsbedarf, doch möchten wir darauf an dieser Stelle nicht eingehen.

Sehr geehrter Bischof Kasper, wir brauchen dringend Ihre Unterstützung, um den eingeschlagenen pastoralen Weg unserer Diözese weitergehen und weiterentwickeln zu können, damit wir als Kirche wirklich bei den Menschen unserer Zeit und ihren Nöten sein können. Wir können den begonnenen Weg nicht mehr verlassen, ohne viele Menschen zu verletzen und unglaubwürdig zu werden. So fühlen wir uns hilflos, da wir mit dieser Instruktion unseren eingeschlagenen pastoralen Weg einer geschwisterlichen Kirche nicht fortsetzen können, uns zugleich aber auch nicht gegen die Lehre der Kirche stellen wollen. Um so mehr hoffen wir auf eine breite Diskussion über unsere theologische Basis und ein mutiges Wort von Ihnen um der Botschaft Jesu und unseres gemeinsamen Auftrags willen. Gern bleiben wir diesbezüglich mit Ihnen im Gespräch! Ermutigt hat uns die beiliegende Stellungnahme von Dr. Reinhold Stecher, Diözesanbischof von Innsbruck. In diesem Sinne können Sie unserer ganzen Solidarität gewiß sein!

Mit den besten Wünschen für eine gesegnete Zeit zum Fest der Menschwerdung unseres Gottes und herzlichen Grüßen für die Pastoralkonferenz des Dekanates Heidenheim

Dekanat Heidenheim Geschäftsstelle Dekanatsreferent: Dipl. Theol. Ludger Bradenbrink, Bühlstraße 23, Heidenheim, Tel.: 07321-23 088



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05.04.1998 AGR

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