Aktionsgemeinschaft Rottenburg
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Wir sind Kirche-Gruppe in Rom:
Offener Brief AN DIE HIRTEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE und zur Information AN DAS GESAMTE VOLK GOTTES mit zehn Fragen zur Laieninstruktion
Von der Wir-sind-Kirche-Bewegung ging uns der römische Brief mit folgendem Vorwort zu:
Vor geraumer Zeit hat die Wir sind Kirche-Gruppe in Rom / Italien einen sehr fundierten Offenen Brief AN DIE HIRTEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE und zur Information AN DAS GESAMTE VOLK GOTTES mit zehn Fragen zur Laieninstruktion formuliert. Dieser Brief wurde schon ins Spanische, Englische und Französische übersetzt und wird in deutscher Übersetzung auch in der Ausgabe Nr. 11 von PUBLIK-FORUM am 5. Juni erscheinen.
Die Diözesangruppen oder wer es sonst auch immer möchte, werden gebeten, den Brief ggf. auch in abgeänderter oder erweitereter Form an ihren / seiner Diözesanbischof zu senden.
Wir sind Kirche-Bundesteam
sowie im Namen der Internationalen
Bewegung Wir sind Kirche
International Movement We Are Church (IMWAC)
Internationale Bewegung Wir sind Kirche
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Im Mai 1998
Offener Brief
AN DIE HIRTEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE
und zur Information
AN DAS GESAMTE VOLK GOTTES
Liebe Hirten!
vor einiger Zeit veröffentlichte der Heilige Stuhl eine
"Instruktion über einige Fragen der Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester
die durch die Unterzeichnung
von
acht Vatikanischen Dikasterien abgesegnet wurde.
Diese
"Instruktion" hat bedeutsame Kritik entfacht,
selbst von seiten
einiger Mitglieder des katholischen Bischofskollegiums.
Auch wir haben beschlossen,
uns im Geist der Unterscheidung ein Urteil zu bilden
über dieses Dokument,
weil wir überzeugt sind,
daß die Meinungen und Lehren des
Magisteriums
wichtige Beiträge
von der christlichen Gemeinschaft
erhalten können
Wir legen Euch zehn Fragen vor,
auf die wir gerne Eure Antwort erhalten würden.
Einige neutestamentarische Quellenangaben (7) entstammen Konzilstexten: keine einzige einem der Evangelien. Wenn man die 27 Angaben abzieht, die sich auf das II. Vatikanische Konzil beziehen, so verweisen die restlichen 86 auf den jetzigen Papst, und zwar ausdrücklich (25) oder implizite (da er selbst den Katechismus der katholischen Kirche angeregt und genehmigt hat, ebenso den CIC; auch hat er persönlich die Verantwortlichen der acht unterzeichnenden Vatikanischen Behörden ernannt).
Es ist bemerkenswert, daß in der Masse der Quellen, auf die sich pastorale Normen von solch vitaler Bedeutung gründen, die vier Evangelien fehlen, auch Quellen aus der Urkirche oder von anderen christlichen Kirchen.
Wir fragen: Welche Autorität können pastorale Verordnungen haben, die für Millionen Menschen gültig sind, wenn sie jeder historisch-ökumenischen und insbesondere auf dem Evangelium gründender Dokumentierung entbehren, da sie sich ja offensichtlich nicht ausdrücklich auf das Wirken und Lehren von Jesus von Nazareth beziehen?
Mit anderen Worten: Kann ein Dokument als katholisch bezeichnet werden, wenn seine Quellen fast ausschließlich aus den letzten 50 Jahren stammen und nicht die gesamte Tradition berücksichtigen, d.h. die letzten 2000 Jahre?
Frage 2: DAS HEILIGE
Das Dokument verwendet in der Originalfassung mindestens 25 mal das Adjektiv heilig, um viermal von der heiligen Eucharistie zu sprechen, einmal von den heiligen Ornamenten, 19 Mal vom heiligen Dienst des Klerus (die sacri ministri wörtlich heiligen Amtsträger, in der offiziellen deutschen Fassung abweichend von anderssprachigen Fassungen mit geistlichen Amtsträger übersetzt, die heiligen Hirten, die heilige Vollmacht , die heilige Weihe und geheiligt durch das Sakrament der Weihe)
Eine derartige Adjektivierung, auch wenn während des II. Vatikanischen Konzils in Gebrauch, ist dem Neuen Testament völlig fremd. Es genügt, irgendeinen Band der Biblischen Konkordanzen aufzuschlagen, um nachzuprüfen, daß weder Jesus noch die Apostel je dieses Adjektiv verwendeten, weder im Zusammenhang mit Kleidungsstücken, noch mit Riten oder Priestern.
Wir fragen: Welche Akzeptanz wird ein Dokument des Magisteriums finden, das einen Prozeß der Sakralisierung der Ämter und Riten einführt, die werde in der Praxis noch in der Theorie von Jesus oder den Aposteln zu finden sind, und mehr noch, wenn bedacht wird, daß Jesus als einfacher nicht-ordinierter Laie gewirkt hat?
Frage 3: DAS TRINITARISCHE DOGMA
Wir fragen: Welche theologisch-dogmatische Grundlage können denn die Gedanken und Vorschriften der Instruktion haben, wenn sie vollends auf jenes Dogma verzichten, das das zentrale und spezifische Dogma des christlichen Glaubens ist, das heißt das Dogma des Dreifaltigkeit-Gottes?
Mit anderen Worten: Wenn die von der Vatikanischen Kurie entworfene und vom Papst abgesegnete Kirche weder theoretisch noch pastoral der Heiligsten Dreifaltigkeit nachgebildet ist, handelt es sich denn überhaupt noch um die Kirche des Vaters-Sohnes-Heiligen Geistes, der vollendeten Communio unter Gleichen?
Frage 4: KÖNIGLICHES UND PROPHETISCHES VOLK
Im einleitenden Teil der Instruktion ist zu lesen, daß alle gerufen sind, gemäß den verschiedenen Ämtern und Charismen das Volk Gottes aufzubauen. Es wird weiterhin behauptet, daß unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde gibt, und daß der ewige Hohepriester Jesus Christus wollte, daß seine Kirche an seinem einzigen und unteilbaren Priestertum teilhabe
Diese Äußerungen haben den Verdienst, längst verschüttete alte Wahrheiten in Erinnerung zu rufen, aber sie weisen, unserer bescheidenen Meinung nach, zwei Grenzen auf, die ihren Wert untergraben. Denn:
A/ Wenn die Laien berufen sind Ämter und Charismen auszuüben, als Teilhabende am Priestertum Christi, so läuft im Verlauf des Dokumentes dieser Ruf ins Leere, denn alles fällt in die Kompetenz des ordinierten Klerus.
B/ Wenn das II. Vatikanische Konzil erneut eine Kirche als in seiner Ganzheit priesterliches Volk verkündete, unterstrich es ebenfalls zwei weitere grundlegende Attribute: das des prophetischen Volkes (das sich in fortwährender Umkehr und Widerstreit mit den Beherrschern dieser finsteren Welt und gegen die bösen Geister befindet) und das eines königlichen Volkes. Das erste Attribut wird kaum erwähnt, das zweite überhaupt nicht genannt.
Wir fragen: Kann dieses Dokument der Kurie als in einer Linie mit den Konzilsresolutionen betrachtet werden, wenn es ausschließlich einen Teil der amtlichen Funktionen der Hierarchie darlegt, und das auf Kosten der Rollen, Funktionen, Charismen und Dienste des übrigen Volkes Gottes?
Frage 5: DIE LAIEN
Der Instruktion zufolge haben die Laien, ihres anerkannten Königtums beraubt, keinerlei Funktion innerhalb der Kirche. Sie können nicht
An die Laien kann gelegentlich delegiert werden, einige der genannten Funktionen auszuüben, aber nur unter zwei Bedingungen:
Um zeitweise einen fehlenden heiligen Amtsträger zu ersetzen
Nach dem Erhalt der Erlaubnis des Bischofs;
(Ein Laie darf nur predigen, wenn er die Genehmigung des Heiligen Stuhls hat)
Wir fragen: Das Lehramt verkündet täglich, daß das Leben heilig sei, und zwar vom Augenblick der Empfängnis an. Aber dieses gleiche Lehramt erkennt den nicht-ordinierten Laien keinerlei heiligen Wert an. Wir möchten eindeutig beantwortet haben: Sind die Laien heilig oder nicht?
Frage 6: DIE HEILIGEN AMTSTRÄGER
Die Verantwortungsträger in der Kurie entfernen sich zwar damit nicht vom II. Vatikanischen Konzil, aber sie unterschlagen auf bedeutungsvolle Weise einige Bedingungen und Vorschriften. Das Konzil erklärt z.B.:
Wir fragen: Welche Legitimität kann ein kirchliches Dokument haben, das aus autorisierten Texten, Teile so sinnverändernd herausnimmt, daß es erneut zu zwei Sorten Christen kommt, was in den Augen des Konzils als im Widerspruch zum Evangelium gesehen wurde?
Frage 7: LITURGIE
In der Konstitution über die Liturgie haben die Konzilsväter als ihr Anliegen festgehalten, daß:
Wir fragen: Da sich in der Vatikanischen Instruktion keinerlei Spuren dieser Ermahnungen finden lassen, im Gegenteil, in Bezug auf die Laien ständig lediglich von Verboten, Mißbräuchen, Grenzen und Verpflichtungen die Rede ist, wäre es nicht angemessen, daß das Bischofskollegium bestätigt oder entkräftet, ob die Rolle der Laien in der Liturgie darin besteht, stumme Zuschauer oder zeitweilige Lückenbüßer für die heiligen Amtsträger zu sein mit der einzigen Pflicht, Amen zu sagen?
Frage 8: ABSOLUTE PRINZIPIEN
Die Instruktion wurde konzipiert, um die existierenden Unterschiede zwischen Taufpriestertum und Weihepriestertum zu bekräftigen (Unterschied dem Wesen, nicht dem Grad nach) und um einige Mißbräuche zu ahnden die dem Mangel an geweihten Amtsträgern in der Gemeinde abhelfen möchten, in manchen Fällen (aber) ein Verständnis vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen aufkommen ließen, die seinen eigentlichen Sinn und seine spezifische Bedeutung verwischt. Dies führt unter anderem zu einem Rückgang der Kandidaten für das Priestertum.
Und sie schlußfolgert logisch: Wenn nämlich in einer Gemeinde kein Priester vorhanden ist, dann fehlt der Dienst und die sakramentale Funktion Christi. Und ein schwerer Mißbrauch ist es überdies, wenn Laien gleichsam den Vorsitz bei der Eucharistiefeier übernehmen. Und das alles, um die kirchliche Identität eines jeden zu wahren und zu vermeiden, bei den Gläubigen keine Irrtümer aufkommen zu lassen.
Wir fragen: Erzeugt es nicht einen schweren Irrtum in den Gläubigen, wenn gelehrt wird, daß die Prinzipien etwas Absolutes sind und das Leben der Gläubigen etwas Nachrangiges, da es für wichtiger erachtet wird, Millionen Katholiken auf die Eucharistie verzichten zu lassen, wenn nur ein dogmatisch-kirchliches Prinzip unberührt bleibt?
Mit anderen Worten: Wie soll die Einstellung der Kurie mit der Lehre Jesu Christi in Einklang gebracht werden, nach der der Sabbat für den Menschen, und nicht der Mensch für den Sabbat da ist?
Frage 9: DIE SPRACHE
Frage 10: DIE BISCHÖFE
Die Unterzeichner der Instruktion behaupten in großer Wahrhaftigkeit, daß:
v es sich um eine klare und verbindliche Antwort handelt";
v das Bischofskollegium nicht in seiner Vorbereitung mitgewirkt hat;
vdie Bischöfe verpflichtet sind, den ihnen übergebenen Text umzusetzen und darüber hinaus mit Eifer (und ohne vorherige Auseinandersetzung damit)
Es entsteht der überwältigende Eindruck, daß die Hirten vor allem anderen Präfekten der Vatikanischen Polizei sind, die den Auftrag haben, über die kirchliche Disziplin zu wachen und dafür zu sorgen, daß alle kirchlichen Gesetze befolgt werden.
Wir fragen: Wie kann diese der Kurie gemäßen Gestalt des Hirten in Übereinstimmung gebracht werden mit dem Bild des Guten Hirten Jesu Christi? Und wie kann Übereinstimmung erzielt werden zwischen der Behauptung in der Instruktion: Das Priestertum des Dienstes hat seine Wurzeln in der Apostolischen Sukzession und der Tatsache, daß der Papst und die Kurie Bischöfe und geweihte Priester wie Untertanen behandeln, die keinerlei Teilhabe an den pastoralen Entscheidungen haben und nicht einmal das Recht und die Pflicht, sich ein dem Evangelium gemäßes Urteil darüber zu bilden?
Liebe Bischöfe,
abschließend möchten wir einen Text des Papstes Gregor dem Großen
aus dem VI.-VI, Jahrhundert beifügen,
der sich folgendermaßen der kirchlichen Gemeinschaft gegenüber äußerte:
"Ich weiß, in der Tat, daß viele der Dinge, die ich allein nicht zu verstehen vermochte,
begriffen habe, als ich mich unter meinen Brüdern befand.
In diesem Wissen habe ich versucht zu ergründen, wem das Verdienst gebührt für das Verständnis, das mir zuteil geworden war. Und so geschieht es, daß, mit der Gnade Gottes, die Einsicht wächst und der Hochmut sich verringert, während ich Euretwegen lerne, was ich Euch lehre, denn, ich bekenne es in aller Schlichtheit, in den meisten Fällen höre ich gemeinsam mit Euch das, was ich Euch sage. Und wenn ich so in der Lesung dieses Propheten (Ezequiel), wenig verstehe, dann liegt es an meiner geistigen Unwissenheit; wenn ich hingegen den Sinn ergründen kann, so ist es dank der Gnade Gottes, die mir Eure Frömmigkeit beschert (Gregor der Große, Hom. In Ez II,6: PL9488D-949A)
Um zu erklären, daß ein Lehrer auch immer Jünger der Gläubigen ist,
denn diese können das Wort Gottes besser verstehen, als er,
wiederholt er bei einer anderen Gelegenheit:
"Wenn mein Zuhörer oder mein Leser... nicht immer meine Auslegungen nach seinem Geschmack findet, werde ich ihm ruhig folgen, wie ein Jünger seinen Meister. Ich erachte als Geschenk, was er alles besser als ich fühlen und verstehen kann. (Gregor der Große, Mor.30,27, PL:76,569C-570A)
Wir fragen: Wie kann man diese Einstellung des Papstes Gregor den Großen in Einklang bringen mit all dem, was in der Instruktion des Heiligen Stuhles steht?
Mit anderen Worten: Welches von beiden ist dem Evangelium gemäßer?
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