AGR

Aktionsgemeinschaft Rottenburg



Replik
auf das Dokument der Glaubenskongregation
zum Kirchenverständnis


Das Dokument der Glaubenskongregation zum lehramtlichen Kirchenverständnis „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ hat wieder neu die Frage aufgeworfen, wie ernst es unserer Kirche mit der Ökumene ist – und Enttäuschung und Frust hervorgerufen besonders bei denen, die sich in unseren Gemeinden in der Ökumenischen Bewegung und für eine Überwindung der Trennung engagieren. Es handelt sich vor allem um den Satz, dass die Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, nicht Kirchen im eigentlichen Sinn genannt werden. Als Pfarrer, denen der „Dienst an der Einheit“ und am Aufbau der Gemeinde (Röm 14, 19) aufgetragen ist, können wir zu dieser Verlautbarung und ihrer Wirkung nicht schweigen.


Wandelt euch und erneuert euer Denken!“ (Röm 12, 2): Es ist höchste Zeit, diesen Ruf des Paulus gerade beim Thema „Ökumene“ zu beherzigen. Wenn die Sorge um die Einheit der Kirche für uns nicht bloß Lippenbekenntnis, sondern Herzensanliegen ist, können wir uns nicht auf die sterile und unfruchtbare Wiederholung von Lehrformeln zurückziehen, sondern müssen in einen echten Dialog über die Erfahrungen und Sichtweisen der ökumenischen Partner eintreten. Erst kürzlich wurde in einem feierlichen Akt der Ökumene die Gültigkeit der Taufspendung gegenseitig anerkannt; ökumenische Gottesdienste werden auch auf hoher Ebene selbstverständlich gefeiert; viele Gemeinden arbeiten in ökumenischer Nachbarschaft und auf der Ebene der ACK fruchtbar zusammen – und zumal in vielen konfessionsverbundenen Ehen wird die Einheit der Kirche praktisch gelebt. Diese Erfahrungen einer „Ökumene des Lebens“ verbieten es, dem ökumenischen Partner das Kirche-Sein abzusprechen und ihn in einer – wie geschehen – unsensiblen und anmaßenden Sprache zu klassifizieren.


Das 2. Vatikanische Konzil hat in einer anderen, offenen und wertschätzenden Sprache von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften der Ökumene gesprochen. Und es hat bewusst die zurückhaltende Formulierung gewählt: Die Kirche Jesu Christi „tritt konkret in Erscheinung“ („subsistit“) in der katholischen Kirche…“, statt eine exklusive Gleichsetzung („est“) zu behaupten. Der unverkennbaren Absicht der römischen Verlautbarung, die Intention des Konzils umzubiegen, muss klar widersprochen werden.


Wir verkennen nicht die noch vorhandenen Unterschiede zwischen den Kirchen in der Ökumene. Dennoch gilt es, damit ernst zu machen, dass die Gründe, die historisch zur Spaltung geführt haben, so heute gar nicht mehr fortbestehen ,und sich ehrlich Rechenschaft zu geben, ob die verbliebenen oder durch die Spaltung erst neu gewachsenen Unterschiede wirklich kirchentrennend sind. Als katholische Christinnen und Christen wissen wir uns der sichtbaren und verbindlichen Einheit der Kirche verpflichtet und können uns nicht zufrieden geben mit einer „Einheit“, die in einem nur unverbindlichen Nebeneinander von Kirchen besteht und auf evangelischer Seite oft als genügend angesehen wird. In der Selbstzufriedenheit der römischen Verlautbarung zeigt sich allerdings umgekehrt derselbe Mangel, die Einheit im Grund schon als gegeben anzusehen – nämlich in der selbstgerechten Vorstellung, man besitze selber schon die „Fülle der Heilsmittel“ und brauche keine eigene Anstrengung mehr, sondern nur die Einsicht und Umkehr der Anderen.

Wir drängen unsere Kirchenleitung, nicht aufgrund des eigenen Kirchenverständnisses anderen das Kirchesein abzusprechen, sondern das offene Gespräch zu suchen und beherzt Schritte auf dem Weg tieferer zu tieferer Einheit zu gehen.


Im Auftrag der Hauptversammlung 2007 in Wendlingen


Der Vorstand „Aktionsgemeinschaft Rottenburger Priester“


Stefan Cammerer, Giengen

Hermann Barth, Dunningen

Michael Holl, Mutlangen

Klaus Kempter, Öhringen

Andreas Krause, Murrhardt

Paul Magino, Wendlingen

Dr. Wolfgang Raible, Stuttgart

Martin Sayer, Reute

Frank Schöpe, Oppenweiler

Ulrich Skobowsky, Biberach

Martin Stöffelmaier, Rottweil

Walter Stöffelmaier, Ostfildern

Thomas Weißhaar, Ulm



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© 28.12.2007 sc

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