AGR

Aktionsgemeinschaft Rottenburg

Hauptversammlung am 9. Oktober 2006 in Wendlingen mit Bischof Dr. Fritz Lobinger

- Pressebericht -

Für sich selbst sorgende Gemeinden und das priesterliche Amt

Von seinen Erfahrungen bei der Entwicklung von Gemeinden in seiner Diözese Aliwal in Südafrika berichtete der emeritierte Bischof Dr. Fritz Lobinger auf der Hauptversammlung der Aktionsgemeinschaft Rottenburg in Wendlingen, einer Solidaritätsgruppe von 180 Priestern der Diözese.

Die Hauptversammlung stand unter dem Thema „Um der Menschen und der Gemeinde willen – die Zukunft der Gemeinden und die Rollen der pastoralen Dienste“. Hintergrund dieses Themas sind die zwiespältigen Erfahrungen in und mit den Seelsorgeeinheiten.

Lobinger, ein Regensburger Diözesane, berichtete von seinem Versuch, das mitteleuropäische Gemeindemodell (ein Priester versorgt eine Gemeinde) in seine Diözese zu exportieren. Dies schlug fehl. Demgegenüber erzählte er von positiven Entwicklungsschritten in seiner Diözese Aliwal in Südafrika, die sich auch in Indonesien und Lateinamerika finden würden, von einer versorgten Gemeinde zu einer für sich selbst sorgenden Gemeinde.  Bei diesem Modell wählen die Gemeinden ein Leitungsteam, das vom Bischof für die verschiedenen Aufgaben eingesetzt und gesegnet wird. Dabei stehen nicht Einzelpersonen, sondern immer Teams in der Verantwortung. Diese Teams werden kontinuierlich aus- und weitergebildet. Die Schlüsselaufgabe der Aus- und Weiterbildung übernehmen die Priester.

Ein positiver Effekt dieses Gemeindeleitungsmodells ist die größere Nähe zu den Lebensfragen und Anliegen der Menschen. Aus den bisherigen Erfahrungen mit diesen für sich selbst sorgenden Gemeinden erwähnte Lobinger, daß es wichtig sei, die neuen Ämter nicht mit Privilegien zu versehen, die Dienste auch rollieren zu lassen und Dienste immer in kleinen Teams wahrzunehmen. Notwendig sei dazu eine Wandlung im Rollenverständnis der Priester. Als wichtige Aufgabe der Leitungsteams vor Ort sieht Lobinger auch die Verbindung mit der Diözese.

Trotz der positiven Entwicklungen in den Gemeinden bleibt das große Problem, dass am Sonntag nicht regelmäßig in den Gemeinden Eucharistie gefeiert werden kann. Bischof Lobinger stellte die Frage, ob es für eine Gemeinde ein ehrenamtliches Team von geweihten Priestern (Presbyterium) geben könne, um die Frage nach der Eucharistie als „Mitte und Höhepunkt“ des Gemeindelebens lösen zu können. Der bisherige „Weltpriester“, der für viele Gemeinden und solche Presbyterien zuständig sei, wäre angefragt, die Fort- und Weiterbildung auch dieser Presbyterien zu übernehmen.

Wenn sich die Kirche auf der Nordhalbkugel wegen des Priester- und Personalmangels auf Seiten der Hauptberuflichen genötigt sähe, eine Veränderung in den bisherigen Grundlagen des Priesterdienstes herbeizuführen, plädiere er nicht unbedingt für die Einführung eines „Wahlzölibates“. Dies würde zwar möglicherweise zu einem Anstieg der Bewerber führen, jedoch die notwendige evangeliumsgemäße Gemeindeentwicklung außer acht lassen. Er fände es richtiger, das Modell der Presbyterien zu übernehmen, also zu weihende Ehrenamtliche in der Gemeinde. Dies hätte auch den Vorteil einer „von innen“ kommenden Veränderung, an der die Gemeinden beteiligt seien bei der Auswahl und Begleitung ihres Presbyteriums.

Bei der anschließenden Diskussion der 40 Teilnehmer der Hauptversammlung zeigte sich viel Zustimmung zu Lobingers Gemeindeleitungsmodell. Bei der Frage, welche Schritte hierzulande vonnöten wären, um die Gemeinden in diese Richtung zu entwickeln, war man sich einig, daß es, ähnlich wie in Lobingers Diözese, ein weiter Weg sei, die Gemeinden zukunftsfähig zu machen. Vor allem ist die biblische Botschaft neu ins Bewußtsein zu rücken und über verschiedene Methoden mit der Lebenswirklichkeit in Verbindung zu bringen. Nur so könne der Boden bereitet werden für längst überfällige Entwicklungen in den Gemeinden.

09.10.2006 wr/tw/sc

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© 13.10.2006 AGR

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