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Aktionsgemeinschaft Rottenburg


Letztes Update: 
Artikel Stuttgarter Zeitung vom 8. Januar 2000 und gemeinde aktuell vom 15. Januar 2000

Der Rausschmiß des Chefredakteurs des
Kath. Sonntagsblattes Uwe Renz 1999


 

INHALT:

Presse...

Stuttgarter Zeitung, 19. Juni 1999

Stuttgarter Nachrichten, 22.06.99

Südwestpresse / incl. Landesteil in vielen Regionalzeitungen, 23.06.1999

Stuttgarter Zeitung, 28.06.1999

Süddeutsche Zeitung, 1. Juli 1999

Leserbriefe in der Stuttgarter Zeitung, 07.07.99

Stuttgarter Nachrichten, 08.07.1999

Publik Forum, Nr. 13/1999

Der Spiegel, 12. Juli 1999

Stuttgarter Nachrichten, 23.07.1999

Stuttgarter Nachrichten, 30.07.99

Südwestpresse, 31.07.1999

Stuttgarten Nachrichten, 31.07.1999

 Kirche Intern Nr. 8/1999 - August 1999

 Südwest Presse, 7. August 1999

Keine Einigung bei Gütetermin

Der Gütetermin zwischen dem Schwabenverlag und dem entlassenen Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes, Uwe Renz, vor dem Arbeitsgericht in Esslingen ist gescheitert.

Stuttgarter Zeitung, 8. Januar 2000

Vergleich mit Kirchenorgan

 

...und Reaktionen auf die Kündigung
 

Klaus Braden an den Schwabenverlag, 19.06.99

Stefan Cammerer im „gemeinde aktuell“, Giengen/Brenz, 25.06.99

Presseerklärung von "Wir sind Kirche", 22.06.99

Offener Brief des Betriebsseelsorger-Teams, 05. Juli 1999

Brief der Initiative "Katholisches Sonntagsblatt" vom 30.06.1999

Brief des Pastroalteams der Kirchengemeinde St. Johannes Nürtingen vom 7.7.99

Brief von Dres. med Adolf Aich und Hildegard Aich-Schlott vom 12.07.1999

Erklärung des Katholischen Kirchengemeinderates St. Hedwig, Stuttgart-Möhringen, 22.07.99

Erklärung des Berufsverbandes der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten vom 26. Juli 1999

Presseerklärung der Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) vom 26.07.1999

Brief der Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) vom 21.07.1999

 Brief von Klaus und Renate Barwig, 31.07.1999

Brief von Prof. Dr. Willibald Bösen, 23. August 1999

... Die Vorstellung, daß vielleicht die Kritik sogenannter „Frommer“, wie sie im Augenblick im saarländischen Marpingen auftreten und in den Medien „vorgeführt“ werden, mitverantwortlich für die Entlassung von Herrn Renz sein könnte, macht mir Angst. ...

Stefan Cammerer in „gemeinde aktuell“, Giengen/Brenz, 15. Januar 2000

Es drohte eine Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht mit wenig Erfolgsaussichten für die Diözese, dem die derzeit amtierende Diözesanleitung dadurch entging, daß sie Uwe Renz in einer außergerichtlichen Einigung eine attraktive Stelle anbot.

 


 

Die Presseerklärung der Diözese
 

"Verlag im Einvernehmen mit dem Herausgeber"
 
 


 DIE TEXTE:


Stuttgarter Zeitung, 19. Juni 1999:

War der Chefredakteur zu kritisch?

Einige Priester ärgern sich über die Entwicklung bei der katholischen Sonntagszeitung

STUTTGART. Offenbar auf Anordnung von Rottenburgs ehemaligem Bischof Walter Kasper mußte der Chefredakteur des „Katholischen Sonntagsblatt“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart seinen Schreibtisch räumen.

Von Michael Petersen

Wie in solchen Fällen üblich, fällt die Begründung des Arbeitgebers recht knapp aus. So auch im Falle des in Ostfildern angesiedelten Schwabenverlags, in dem die Sonntagszeitung erscheint. Der Verlag habe sich wegen „erheblicher Probleme“' in der Zusammenarbeit von Renz getrennt, heißt es in einer Meldung der katholischen Nachrichtenagentur KNA.

Offenbar mußte der Vater von vier Kindern binnen ganz kurzer Frist seinen Schreibtisch räumen. Das Arbeitsverhältnis endet zum 31. Dezember 1999. Die Entscheidung sei im Einvernehmen mit Diözesanadministrator Johannes Kreidler gefallen.

Uwe Renz, ehemaliger Pressesprecher der katholischen Kirche in Stuttgart und Redakteur der „Stuttgarter Nachrichten“, genießt innerhalb der Diözese einen guten Ruf. Er habe die lange Zeit vorwiegend von älteren Leuten gelesene Zeitung entstaubt, ist zu hören. Und Priester Stefan Cammerer sagt: "Renz hat dazu beigetragen, daß es innerhalb der Diözese wieder mehr Dialog gegeben hat. Er hat eine kritische Berichterstattung in das Blatt gebracht, worauf vor allem junge Leute wieder zu den Lesern gehören." Als sich jetzt die Nachricht von Renz' Entlassung in der Diözese verbreitete, haben dem Vernehmen nach eine ganze Reihe von Priestern beschlossen, die Sonntagszeitung abzubestellen.

Über die Gründe der Trennung wird spekuliert. Zu hören ist, daß der vor wenigen Wochen nach Rom abgeordnete Bischof Walter Kasper Auslöser für dieses Vorgehen sein soll. Von Kasper ist bekannt, daß er mißliebige Personen in seiner Umgebung nie lange auf ihrem Posten belassen hat.

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Bischof und Renz soll seit längerem belastet gewesen sein. Kasper ist Herausgeber des Blattes. Renz wird als "kompetenter Journalist, aber auch als eigenwilliger Geist" bezeichnet. Vermutlich zu eigenwillig für Kasper? Der soll auf "Hofberichterstattung" bestanden haben, schließlich wird das Sonntagsblatt auch in Rom gelesen.

Die Risse im Verhältnis zwischen Bischof und Chefredakteur sollen seit längerem offensichtlich gewesen sein. Das fiel sogar Lesern auf. Sie erzählen, daß das Blatt sich aus kontrovers geführten Diskussionen zunehmend zurückgezogen habe. Auch die Kündigung soll schon vor einigen Monaten im Gespräch gewesen sein. Das bestätigt jetzt die Pressestelle der Diözese. Die Entscheidung, Renz zu entlassen, sei bereits im März vom Verlag im Einvernehmen mit Walter Kasper getroffen worden. Allerdings habe man sich noch um eine gütliche Einigung bemüht. Vielleicht hatte Renz gehofft, mit einem neuen Bischof besser auszukommen als mit Walter Kasper.

Offen bleibt, warum Johannes Kreidler die mutmaßliche Anordnung Kaspers so bereitwillig vollzogen hat. Weihbischof Kreidler führt die Geschäfte der Diözese, bis ein neuer Bischof gekürt wird. Und somit ist er für diese Zeit Herausgeber des Sonntagsblatts und hätte es wohl in der Hand gehabt, die Kündigung zu verhindern.

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Stuttgarter Nachrichten, 22.06.99:

Der Bischof geht, sein Amtsverweser läßt gehen

Nach der Kündigung des Chefredakteurs befürchten Katholiken beim Sonntagsblatt einen linientreuen Kurs

Von unserem Reporter ANTON NOTZ

Gottes verlängerter Arm reicht weit. Wie weit aber reicht der verlängerte Arm eines Bischofs? Und wie weit darf er überhaupt reichen, wenn dieser schon nach Rom abberufen wurde und seine Diözese, in diesem Fall Rottenburg-Stuttgart, bis auf weiteres einem Administrator unterstellt ist?

Ganz irdische Fragen, die sich stellen, seit der Chefredakteur des „Katholischen Sonntagsblatts“, Uwe Renz, gekündigt und mit einem sofortigen Hausverbot belegt wurde. Nicht mal eine Stunde blieb dem 40jährigen Journalisten Zeit, um seinen Schreibtisch beim Schwabenverlag zu räumen. Die Vertragsauflösung zum 31. Dezember wurde mit „erheblichen Problemen“ begründet, während die Redaktion zu hören bekam, das Sonntagsblatt (Auflage: 70000 Exemplare) habe sich unter Führung von Renz zu „einer der bedeutendsten Kirchenzeitungen Deutschlands“ entwickelt. Die Entlassung erfolgte im Einvernehmen mit dem Amtsverweser von Bischof Walter Kasper, Weihbischof Johannes Kreidler. In informierten Kirchenkreisen heißt es allerdings, Kreidler habe sich nicht sonderlich wohl dabei gefühlt, inmitten des Interregnums einen Vater von vier Kindern vor die Tür zu setzen.

Trotzdem vollendete Kreidler, was Kasper angestoßen hatte. Offenbar gab es seit längerer Zeit inhaltliche Differenzen zwischen dem Herausgeber und dem Chefredakteur, die negativ auf das Vertrauensverhältnis durchschlugen. Renz hatte das Sonntagsblatt entstaubt und zu einem breiten Forum ausgebaut. Ob Schwangerenkonfliktberatung oder päpstliches Predigtverbot für Laien - der Chefredakteur setzte auf die von der Kirchenführung oft bemühte Dialogbereitschaft. Der Bischof dagegen wollte eine „klarere Linienführung“, ohne daß dies mit seinem Namen verbunden sein sollte. Aber dafür verstand sich Renz zu sehr als Journalist und zu wenig als Sprachrohr.

Nach der umstrittenen Kündigung gehen in Kirchenkreisen die Wogen hoch. „Die falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt“, kritisiert Diözesanrat Bernhard Käs. „Unbegreiflich von der Sache her, weil das Sonntagsblatt an Gewicht und Profil gewonnen hatte, und bedrückend, in welcher Art und Weise das gelaufen ist“, kommentiert Diözesanrätin Ursula Utz die Kündigung. Anders als dem Diözesanadministrator sind dem „Kirchenparlament“ die Hände gebunden: Als Beratungsgremium des Bischofs existiert es de facto gar nicht, weil es noch keinen neuen Bischof gibt. Und der alte sitzt im fernen Vatikan (dort wird das Sonntagsblatt besonders kritisch gelesen), wo er aus Rottenburg-Stuttgart keinen Rat mehr nötig hat.

Im Bischofshaus herrschte am Montag nach außen Funkstille. Kein Kommentar. Unterdessen macht sich an der Basis Betroffenheit breit. „Die Öffentlichkeit hat kein Verständnis dafür, wie die Kirche mit ihren Bediensteten umgeh“, sagt Pfarrer Bernhard Löffler, Mitglied der „Kommission Sonntagsblatt“ der Diözese. In der Tat haben schon eine Reihe von Lesern, auch Priester, die Abbestellung ihrer Kirchenzeitung angekündigt. Löffler befürchtet, daß durch die Direktive von oben die Redaktion gelähmt wird und beim Sonntagsblatt inhaltlich „eine gewisse Armut“ einkehrt.

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Südwestpresse, 23.06.1999:

ZEITUNG / Nicht auf der Linie des Bischofs?

Flut von Protestbriefen nach der Kündigung

Zuspruch für entlassenen Chefredakteur

Bestürzung und Protest hat die Entlassung des Chefredakteurs des Katholischen Sonntagsblatts, Uwe Renz, in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausgelöst.

RAINER LANG.

STUTTGART · Uwe Renz erhielt mit der Kündigung ein sofortiges Hausverbot. Ihm wurde eine Stunde eingeräumt, um seinen Schreibtisch zu räumen. Das Arbeitsverhältnis des Vaters von vier Kindern besteht formell noch bis Jahresende. Der Schwabenverlag begründet die Entlassung mit „erheblichen Problemen in der Zusammenarbeit“.

Dahinter steckt Bischof Walter Kasper, der die Kündigung noch vor seinem Wechsel nach Rom anordnete. Er verstand das Blatt als Sprachrohr des Bistums, während Renz auch in der Kirche umstrittene Themen anpackte. Das hat Kasper nicht gepaßt. Das Sonntagsblatt wird nicht zuletzt in Rom gelesen mit kritischem Blick. Priester Stefan Cammerer spricht von einem „Skandal“. Für ihn ist es ,,schlicht ein Unding“, daß Weihbischof Johannes Kreidler als Diözesanadministrator Kaspers Willen exekutiert. Das erstaunt Kritiker nicht: Kreidler wird als konfliktscheu und unsicher charakterisiert. Als Kaspers verlängerter Mann im Bistum gilt Generalvikar Werner Redies, dem der Administrator offensichtlich nicht zu widersprechen wagt.

„Kasper wollte linientreue Leute“, sagt Cammerer. Renz habe das zurecht nicht mit sich machen lassen. Der 40jährige hat viel Lob dafür bekommen, das Sonntagsblatt erneuert und offener gemacht zu haben; Renz habe mit kritischer Berichterstattung, die er „ins Blatt gebracht hat“, dazu beigetragen, daß es in der Diözese wieder mehr Dialog gegeben habe, sagt Cammerer.

Nach Ansicht von Diözesanrätin Ursula Utz hat das Blatt an Profil gewonnen. Sie ist bestürzt, weil sie sich als Leserin keine Gründe für eine Kündigung vorstellen kann. Befremdend und unverständlich ist es für Utz, daß die Kündigung während der Vakanz ausgesprochen wurde, also in der Zeit, in der der Bischofsstuhl nicht besetzt ist.

Eine Flut von Protestbriefen ist bei der Diözese eingegangen. Für Pfarrer Bernhard Löffler, Mitglied der „Kommission Sonntagsblatt“, ist das verständlich. Er meint, daß die Öffentlichkeit kein Verständnis dafür habe, wie die Kirche mit ihren Bediensteten umgeht. Er befürchtet, daß sich in der Redaktion „eine gewisse Armut“ breitmache.

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Stuttgarter Zeitung - 28.06.1999
 

Das Katholische Sonntagsblatt verliert so manchen Leser

Des Bischofs Stellvertreter sieht sich im Fall des entlassenen Chefredakteurs Renz machtlos: Ich habe nichts tun können

Heftig fallen die Reaktionen auf die Entlassung von Uwe Renz aus. Der Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes der Diözese Rottenburg Stuttgart will sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Kündigung zur Wehr setzen.

Von Michael Petersen

Unter den Priestern der Diözese macht die Zahl von 60 Lesern die Runde, die ihr Abonnement aufgrund der Entlassung des vierfachen Familienvaters Uwe Renz gekündigt haben. Es mögen auch mehr sein und mehr werden. Die Leser des Kirchenblattes sind schließlich erst in der gestrigen Ausgabe über den Wechsel an der Spitze informiert worden. Genaue Angaben über Reaktionen auf die publik gewordene Kündigung sind vom Schwabenverlag in Ostfildern nicht zu bekommen. Dort erscheint das Sonntagsblatt in einer Auflage von - noch - 70000 Exemplaren.

Der Verlag habe sich wegen erheblicher Probleme in der Zusammenarbeit von Renz getrennt, wird als offizielle Begründung gesagt. Inoffiziell ist längst bekannt, daß Rottenburgs eben erst nach Rom gewechselter Bischof Walter Kasper als Herausgeber der Zeitung mit Renz nicht zufrieden war. Von heftigen inhaltlichen Differenzen und einem Vertrauensbruch ist die Rede.

Viele Leser sehen das ganz anders. So schreibt Klaus Braden, der sich seit bald 40 Jahren mit der Sonntagszeitung verbunden sieht: „Ich war erfreut, daß sich mit dem Amtsantritt von Uwe Renz der Stil des Blattes geändert hat. Ich hatte den Eindruck, daß jetzt die Katholiken ernstgenommen wurden und nicht nur Hofberichterstattung abgedruckt wurde.“ Braden kündigt das Abo „zum nächsten Termin“. Sein Brief endet mit dem Satz: „Sobald der Herausgeber und der Verlag der Redaktion wieder Spielraum zu eigenständigem Nachdenken und Arbeiten gibt, dürfen Sie mich informieren, damit ich ein Probeabonnement beziehen kann.“

Die Kirchenvolksbewegung reagierte mit einer Presseerklärung auf den Rauswurf von Renz. „Herr Renz hat in den letzten fünf Jahren als Chefredakteur aus dem langweiligen, verstaubten Bistumsblatt eine lesenswerte Zeitschrift gemacht, die ausgewogen und verantwortlich über das kirchliche Leben der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Weltkirche berichtete“, heißt es da und weiter: „Diese Beurteilung ist von allen Seiten der Diözese zu hören.“ Das Blatt freilich solle zu einem „bischöflichen Amtsblatt“ und zu einer „Hauspostille des Bischofs“ herabgestuft werden.

Wie auch immer die zahlreichen Briefe formuliert sind, eine Meinung ist immer wieder zu hören: Bischof Kasper soll danach getrachtet haben, daß vor allem seine Meinung im Blatt vertreten ist. Von Kasper ist auch bekannt, daß er mißliebige Personen in seiner Umgebung nie lange auf ihrem Posten belassen hat. Schon im März hat er versucht, Renz loszuwerden. Nach seinem Wechsel nach Rom hat Weihbischof Johannes Kreidler die Entlassung vollzogen.

Kreidler führt die Geschäfte der Diözese, bis ein neuer Bischof gekürt wird. „Ich habe nichts tun können“, sagte der im Zuge von Renz‘ Entlassung heftig kritisierte Weihbischof gegenüber der Rottenburger Redaktion des „Schwäbischen Tagblattes“. Er habe sich juristisch versichert, mit dem Ergebnis, daß die Beschlüsse von Verlag und Bischof Kasper weder gestoppt noch rückgängig gemacht werden könnten. Kreidler persönlich hätte die Kündigung „gerne ausgesetzt“. Grundsätzlich gelte aber bis zur Einsetzung eines neuen Bischofs, daß nichts Wesentliches in einer Diözese verändert werden dürfe.

Einige Katholiken der Diözese sagen mit bitterer Ironie: Es sei doch klar, daß Walter Kasper noch großen Einfluß habe, schließlich bezahle die Diözese auch weiterhin sein Gehalt. In den letzten Tagen war bekannt geworden, daß für den Bischof in Zukunft jährlich rund 175000 Mark nach Rom überwiesen werden. Ein rechtlich völlig korrekter Vorgang für einen emeritierten Diözesanbischof, heißt es in der Diözese. Weiter wird als Begründung gesagt, daß der Vatikan wohl nicht in der Lage sei, Kasper in seinem neuen Amt nennenswerte Bezüge zu gewähren.“

Uwe Renz mußte zwar binnen einer Stunde seinen Schreibtisch räumen und erhielt ein Hausverbot. Der 40jährige erhält sein Gehalt jedoch bis zum Jahresende. Nun will er gerichtlich gegen die Kündigung angehen. „Und zwar bis zur letzten Instanz“, wie er versichert. „Ich kämpfe um meinen Arbeitsplatz, weil ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen“, betont er.
 

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Süddeutsche Zeitung, 1. Juli 1999:

Konflikt um eine Kirchenzeitung

Pfarrbrief gegen Presse des Bischofs

Die Katholiken der schwäbischen Kirchengemeinde Giengen/Brenz können von heute an im Pfarrbrief Ungewöhnliches lesen: Ihr Pfarrer ruft indirekt dazu auf, die Kirchenzeitung Sonntagsblatt abzubestellen. „Auch wir haben die Exemplare, die vom Pfarramt bezogen wurden, gekündigt“, schreibt Stefan Cammerer, denn: „Wenn die Kirche, die wir alle sind, auf solche Skandale reagiert, könnte sich etwas tun“.

Eine Kündigung zum 31.  Dezember erhitzt im Bistum Rottenburg-Stuttgart die Gemüter. Sie erreichte den 40 Jahre alten Kirchenzeitungs-Chefredakteur Uwe Renz am 18.  Juni um elf Uhr. Binnen einer Stunde mußte er das Haus verlassen, „wegen erheblicher Probleme in der Zusammenarbeit“, wie der Ostfilderner Schwabenverlag mitteilt, „im Einvernehmen mit dem Herausgeber des Sonntagsblattes, Bischof Dr.  Walter Kasper“. Die Entscheidung sei im März getroffen, „wegen Bemühungen um eine gütliche Einigung aber erst jetzt ausgesprochen“ worden.

Renz hatte innerhalb von fünf Jahren aus einer verschlafenen Kirchenzeitung ein Blatt gemacht, das journalistisch professionell arbeitete und auch über Kirchenkritisches berichtete. Das war wohl Bischof Kasper ein Dorn im Auge – war er doch auf dem Sprung nach Rom, wo er nun seit dem 1.  Juni Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates der Christen ist. Nach Zeugenaussagen entstand nun ein Kleinkrieg: Kasper habe mißfallen, daß der Papstkritiker Hans Küng auf einen Beitrag des Bischofs antworten durfte; ihm sei das bischofskritische „Kirchenvolksbegehren“ zu ausführlich zu Wort gekommen. Am Ende sei es sogar darum gegangen, ob ein Beitrag mit dem Bild von Oskar Lafontaine samt Sohn zu illustrieren sei.

Kaspers Beschluß habe tatsächlich schon im März festgestanden, berichten übereinstimmend Pfarrer Cammerer, der für eine Arbeitsgemeinschaft von Priestern im Bistum spricht, und Siegbert Maier-Borst von der „Kirchenvolksbewegung“. Die Kündigung sei aber nicht etwa unterblieben, weil man mit Renz reden wollte. „Solche Gespräche gab es nicht“, sagt Cammerer. „Der Bischof wollte vor seinem Weggang keine schlechte Presse haben“. Und so blieb die Ausführung bei Weihbischof Johannes Kreidler hängen, der derzeit die Diözese leitet. Bereits zuvor hatte der scheidende Bischof, der einst als liberal galt, für Empörung gesorgt. Nachdem er seinen Pfarrern das Weihnachts- und Urlaubsgeld gekürzt hatte, wurde bekannt, daß das Bistum freiwillig den neuen päpstlichen Sekretär finanzieren wird. Ein Schritt, der angeblich 175  000 Mark im Jahr kostet. Zu spüren bekommt den Ärger nun die Kirchenzeitung. Dort stapeln sich die Abbestellungen; „ich rechne mit mehreren hundert“, sagt Pfarrer Cammerer.

Matthias Drobinski

 

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BRIEFE AN DIE REDAKTION

Stuttgarter Zeitung, 7. Juli 1999

Erbarmungslose Kirche

Das Katholische Sonntagsblatt verliert so manchen Leser, 28. Juni 1999

Die Kirche muß in schwierigen menschlichen Situationen ein barmherziges Antlitz haben. Das sagte Bischof Dr. Walter Kasper zum Abschied und ging. Der Chefredakteur des „Katholischen Sonntagsblattes“ wäre schon in der Karwoche gegangen worden, aber der Rottenburger Oberhirte hatte Angst vor einem schlechten Abgang. Er wußte wohl, daß die Entlassung des angesehenen Journalisten einigen Staub aufwirbeln würde. War der Bischof selbst zu feige, daß er die Kündigung hinausschieben ließ, bis er in Rom war? Auf jeden Fall überließ Kasper es anderen, seine Entscheidung zu vollstrecken.
Die Art und Weise, wie der Vater von vier Kindern vor die Tür gesetzt wurde ist erbarmungslos. Am Tage der Kündigung mußte Renz in höchstens einer Stunde sein Zimmer räumen und die Schlüssel abgeben. Als Begründung für die Kündigung wird ein „zerrüttetes Vertrauensverhältnis“ angeführt. Wenn das der wahre Grund gewesen sein soll, warum hat dann Bischof Kasper nicht mit dem Chefredakteur darüber gesprochen? Wie oft hat Kasper betont, wie wichtig ihm der Dialog sei!
Aber offenbar nicht mit so einem wie Renz, der sich nicht einfach als Berichterstatter des Bischofs und als Sprachrohr des Papstes verstand sondern auch eine eigene Meinung hat.
„Veritatem in caritate“. Wahrheit in Liebe lautet der Wahlspruch von Bischof Dr. Walter Kasper. Ein schöner Spruch. Die Wahrheit im Fall Renz ist lieblos und ein Schlag ins Gesicht des Kirchenvolkes. Wann lernt die Kirche endlich, daß Loyalität nicht blinder Gehorsam bedeutet, sondern eigenständiges Denken mit einschließt?

                 Petrus Ceelen, Stuttgart
 

Nachtritt im Nachgang

Das Katholische Sonntagsblatt verliert so manchen Leser, 28. Juni 1999

Von Kindesbeinen (Jahrgang 1940) an bis heute lese ich das „Katholische Sonntagsblatt“ nahezu regelmäßig. Unter Herrn Uwe Renz ist es bestätigtermaßen eine respektable Kirchenzeitung geworden. Und dies trotz oder vielleicht sogar wegen der mir nicht bekannten Konflikte zwischen Herausgeber und Chefredakteur. Richtig: Im Regelfall beendet mangelndes Vertrauen ein solches Arbeitsverhältnis. Aber doch nicht im Nachgang als Nachtritt!
Neu ist es ja nicht, daß in Zeiten eines Machtvakuums die in allen Großorganisationen tätigen „Strippenzieher“ den vorübergehenden Entscheidungsträger instrumentalisieren. Die verfaßten Kirchen sind hierin so gefährdet wie anscheinend geübt. Der geschaßte Chefredakteur hat öffentlich erklärt, daß er sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Wir sind gespannt zu erfahren, was Weihbischof Kreidler zum Vollzug der Kündigung gezwungen hat. Ob das formalrechtlich in Ordnung ist, werden Gerichte prüfen. Bereits sicher ist, daß der Vorgang ärgerlich ist und das Ansehen der (römisch-katholischen) Kirche ganz gewiß nicht fördert.
Einstweilen empfehle ich der Krankenhausleitung, die Anzahl der von uns bezogenen Exemplare des „Katholischen Sonntagsblattes“ auf die Hälfte zu reduzieren.

                Dr. Hans Peter Rieder, Krankenhausseelsorger, Stuttgart

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Stuttgarter Nachrichten - Landesnachrichten, 08.07.1999
 

Neue Kritik am Sonntagsblatt

Entlassener Chefredakteur hat namhafte Fürsprecher

Stuttgart (an) - Zahlreiche Kirchenmitarbeiter haben den Diözesanadministrator Johannes Kreidler am Mittwoch aufgefordert, die Entlassung des Chefredakteurs des Katholischen Sonntagsblatts, Uwe Renz, rückgängig zu machen. Die Kündigung, die unter Berufung auf ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis erfolgte, habe der Zeitung sowie der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche "großen Schaden zugefügt'', heißt es in einem Schreiben, das von Theologieprofessoren, Dekanen, Hochschul- und Betriebsseelsorgern sowie Vertretern der Bildungs- und Jugendarbeit unterzeichnet wurde.

Das Sonntagsblatt habe sich unter der Führung von Renz zu einem "wohltuend offenen'' Forum entwickelt, in dem kirchliche Themen ausgewogen behandelt worden seien. "Es wurden neue, kritische und auch jüngere Interessenten gewonnen, die für die Zukunft des Sonntagsblatts von entscheidender Bedeutung sind. Gerade diese Gruppe der Leserschaft ist bitter enttäuscht'', erklären die Unterzeichner mit Verweis auf viele Abbestellungen.

Zu den 79 Unterzeichnern gehören auch die renommierten Tübinger Theologen Alfons Auer und Joachim Köhler, Dekane aus Stuttgart und Esslingen, der Diözesan-Caritasdirektor Wolfgang Tripp und sein Vorgänger Hans Peter Rieder, der Leiter der Telefonseelsorge, Wolfgang Birk, und die Sprecherin des Diözesanrates, Ursula Utz. "Wir erleben in unseren Gemeinden und in der Öffentlichkeit die verheerenden Auswirkungen der Entscheidung'', schreiben sie.

       (Hier klicken zum Originalbrief mit Möglichkeit der Mitunterzeichnung.)

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Publik Forum Nr. 13/1999

Katholische Kirchenpresse

„Arbeitsplatz binnen einer Stunde räumen“

Warum der Chefredakteur des Rottenburger Bistumsblatts gehen mußte. Uwe Renz klagt gegen Entlassung

Wieviel journalistische Objektivität verträgt ein katholisches Bistumsblatt? Der gerade in den Vatikan aufgestiegene frühere Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Walter Kasper, hat da offensichtlich enge Maßstäbe. Anders ist nicht zu verstehen, daß er als amtierender Herausgeber des Katholischen Sonntagsblatts dessen Chefredakteur Uwe Renz aus dem Amt haben wollte. Nach dem Weggang des Bischofs hat Diözesan-Administrator Weihbischof Hans Kreidler die, wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, von Kasper schon im März angeregte Entlassung des Chefredakteurs durchgeführt. Renz wurde zum 31. Dezember 1999 gekündigt. Begründung: Unter anderem die Berichterstattung über die Kirchenvolksbewegung, die Laieninstruktion und den „Herdenbrief“. Renz mußte innerhalb einer Stunde seinen Schreibtisch räumen. Der Diplomtheologe und frühere Redakteur der Stuttgarter Nachrichten will gegen die Maßnahme klagen.

Die Entlassung des Chefredakteurs hat in der Öffentlichkeit ein lebhaftes Echo ausgelöst. „Uwe Renz hat in den letzten fünf Jahren aus dem langweiligen, verstaubten Bistumsblatt eine lesenswerte Zeitschrift gemacht, die ausgewogen und verantwortlich über das kirchliche Leben in der Diözese und aus der Weltkirche berichtete.“ So urteilt in einer Pressemitteilung die Wir-sind-Kirche-Diözesangruppe Rottenburg-Stuttgart.

Weiter heißt es in der Mitteilung: „Wir bedauern, daß Uwe Renz trotz seiner anerkannten guten Leistungen als Chefredakteur seine Position und als Familienvater von vier Kindern seinen Lebensunterhalt verloren hat Diese Maßnahme der Bistumsleitung zeigt erneut, daß die katholische Kirche immer stärker das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Reformen unterlaufen will. Das beweist auch die Behandlung des 'Herdenbriefes', den Christinnen und Christen als Antwort auf den Hirtenbrief Kaspers im März 1999 in Sorge um die katholische Kirche an den Bischof geschrieben haben. Dieser 'Herdenbrief' sollte bereits im Januar vorab durch unsachliche, überzogene Stellungnahmen von Domkapitel und Priesterrat unterdrückt werden.“ Mit der Ablösung des Chefredakteurs wird das Bistumsblatt nach Meinung von Wir sind Kirche zu einer „Hauspostille des Bischofs“ herabgestuft. Von objektiver Berichterstattung und Dialogpflege könne keine Rede mehr sein.

Die Gruppe fordert: „Die Katholikinnen und Katholiken der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die verantwortlichen Pfarrer der Gemeinden und alle Leser sollten überlegen, ob sie das Bistumsblatt weiter beziehen wollen. Verlag und Bistumsleitung sollte klargemacht werden, daß in der Diözese mündige Christinnen und Christen leben, die eine zensierte  Zeitschrift als Informationsquelle nicht akzeptieren.“

Zwölf katholische Betriebsseelsorger der Diözese haben unterdessen in einem offenen Brief an Weihbischof Kreidler „ihre Empörung über die Entlassung von Uwe Renz“ zum Ausdruck gebracht. „Inhaltliche Divergenzen zwischen Herausgeber beziehungsweise Verlag und dem Chefredakteur“, so schreiben die Unterzeichneten, „dürfen in einem kirchlichen Unternehmen nicht auf so entwürdigende und persönlichkeitsverletzende Weise ausgetragen werden.“ Ein solches gnadenloses Arbeitgeberverhalten trete die Werte der katholischen Soziallehre mit Füßen. Als Betriebsseelsorger bekämpften sie solche Vorgehensweise in der Wirtschaft. Jetzt sei man der Lächerlichkeit preisgegeben.

PETER ROSIEN

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Der Spiegel, 28/1999 vom 12.07.1999
 

Kraft durch Schweigen

Wie die Diözese Stuttgart einen Chefredakteur feuerte

Mitten im frommen Schaffen für das ,,Katholische Sonntagsblatt“ des Bistums Rottenburg-Stuttgart ereilte Chefredakteur Uwe Renz die Kündigung. Wann er gedenke, die Redaktionsräume zu verlassen, fragte ihn der Bote seiner Kirchenoberen. Im Laufe des Nachmittags, erwiderte der Gefeuerte, schneller gehe es nicht. ,,Nein“, insistierte der Kurier, ,,bis in 30 Minuten wollen wir Sie hier nicht mehr sehen - okay, sagen wir bis in einer Stunde“ - Mobbing auf katholisch.

Der Journalist und Theologe Renz, 40, stand seit längerem bei seiner Bistumsleitung in Ungnade, weil er versucht hatte, aus dem verstaubten Kirchenblatt eine weltoffene Postille zu machen, die auch mal Kritisches über den eigenen Verein druckte - ,,ein Forum des Dialogs, so vielfältig, wie das Leben der Kirche und der Diözese nun eben mal ist“ (Renz). Sein letzter Kommentar endete mit dem Satz: ,,Die Gestalt der Kirche wird sich ändern, und eines Tages können Veränderungen möglich sein, an die heute niemand zu glauben wagt.“

Bis dahin hat es wohl noch Weile. Der Rauswurf des Redakteurs ist die letzte Tat des inzwischen in die vatikanische Kurie aufgerückten Rottenburger Oberhirten Walter Kasper. Seitdem die Leitung des Schwabenverlags, in dem das ,,Sonntagsblatt“ (Auflage 65 ooo) erscheint, in dürren Worten die Trennung von Renz verkündete (,,wegen erheblicher Probleme in der Zusammenarbeit mit der Verlagsleitung“) rumort es unter den Katholiken: Binnen weniger Tage bestellten Hunderte von Lesern die Kirchenzeitung ab, darunter 70 Pfarrer. Autoren verweigern ihre weitere Mitarbeit, Stuttgarter Fotografen wollen dem Blatt keine Bilder mehr liefern. Der Referent der katholischen Diözesen gab unter Protest seine Martinusmedaille, die höchste Auszeichnung der Diözese, an den Generalvikar zurück. Eine spontane ,,Initiative Katholisches Sonntagsblatt“ fordert die Rücknahme der Kündigung.

Bischof Kasper und seinem Domkapitel war der Renz-Kurs seit Jahren suspekt. Mal waren Texte über die Jungfrauengeburt zu locker, mal brachte ein Artikel über das Priesterbild des vom Papst gemaßregelten Theologen Hans Küng die Kirchenleitung in Wallung. Als Renz sich weigerte, einen Nachruf auf ein langjähriges Aufsichtsratsmitglied des Schwabenverlages vor Veröffentlichung zur Genehmigung  vorzulegen, wurde er abgemahnt, gleichzeitig ein neues Redaktionsstatut installiert. Das verlangte von der Redaktion, alle 14 Tage beim Bischof vorzusprechen und sämtliche Berichte über den Vatikan, die Bischofskonferenz oder den Rottenburger Diözesanrat vorab zensieren zu lassen. Renz willigte zähneknirschend ein.

Die Ruhepause währte nur kurz. Ein Bericht über ,,späte Väter“, garniert mit einem Bild Oskar Lafontaines, führte Ende März zum ersten Versuch, den Chefredakteur loszuwerden. Der Betriebsrat intervenierte - zunächst mit Erfolg. Ein Eklat zu diesem Zeitpunkt, so Insider, hätte den Abgang Kaspers nach Rom verdunkelt. Die Redaktion war so eingeschüchtert, daß sie Anfang Juni nicht wagte, eine Meldung über die Wahl Margot Käßmanns zur evangelischen Bischöfin zu drucken. Renz war da gerade im Urlaub. Erst nachdem Kasper abgereist war, exekutierte das Domkapitel Mitte Juni die Entlassung. An diesem Donnerstag verhandelt das Arbeitsgericht den Fall Renz.

Auf der Internetseite des ,,Katholischen Sonntagsblatts“ prangt derzeit der Spruch: ,,Schweigen gibt Kraft!“

UWE BECK, PETER WENSIERSKI

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Stuttgarter Nachrichten, 23.07.1999
 

Protest gegen Entlassung

Viele Abbestellungen beim „Katholischen Sonntagsblatt“

Als Mitglieder der Initiative „Wir sind Kirche“ Ende 1998 ihren Entwurf für einen Herdenbrief an den damaligen Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Walter Kasper, vorstellten, reagierte das Domkapitel schnell. In einer Stellungnahme wies das zweitwichtigste Organ der Diözese jegliche Kritik an Kasper zurück.

VON MARIA WETZEL

Derzeit schweigt das Domkapitel dagegen hartnäckig, obwohl Kasper in einer anderen Frage heftig angegriffen wird. Für die Entlassung von Uwe Renz, Chefredakteur des „Katholischen Sonntagsblatts“, hat der ehemalige Bischof bisher keine Rückendeckung von seinen Getreuen erhalten. Dafür gibt es offenbar mehrere Gründe: Zum einen kann Kasper das elfköpfige Gremium nicht mehr wie früher - vor seinem Wechsel nach Rom am 1. Juni - auf seinen Kurs zwingen. Zum anderen ist seine Entscheidung auch in Rottenburg heftig umstritten. Daß Kasper vor seinem Abschied aus der Diözese die Entlassung des bewährten Journalisten in die Wege leitete, halten manche nicht nur für stillos, sondern auch für unbegründet. Einmal mehr habe Kasper wider besseren Rat das durchgezogen, was er sich in den Kopf gesetzt habe. Renz war dem Herausgeber des „Sonntagsblatts“, Kasper, seit Jahren ein Dorn im Auge - die liberale Richtung der Wochenzeitung paßte ihm nicht.

Unterdessen reißen die Proteste gegen die Entlassung von Renz am 18. Juni nicht ab. Mehrere hundert Kündigungen sind mittlerweile beim Schwabenverlag eingegangen, einzelne Gemeinden haben gleich mehrere Abonnements abbestellt. Zahlen nennt der Verlag keine mehr. Binnen drei Tagen schlossen sich über 80 Pfarrer und Laientheologen zur Initiative Katholisches Sonntagsblatt zusammen. Sie riefen Diözesanadministrator Johannes Kreidler dazu auf, die Kündigung rückgängig zu machen. Die Aktionsgemeinschaft Rottenburg, ein Zusammenschluß von 181 Theologen aus der Diözese, hat die Entlassung von Renz ebenfalls mißbilligt und erwägt weitere Aktionen, falls sie nicht zurückgenommen wird.

Immer wieder taucht auch die Frage auf, ob Walter Kasper mit der Kündigung nicht gegen Kirchenrecht verstoßen hat. Dem katholischen Gesetzbuch zufolge hat ein Bischof, der versetzt wird, „von der sicheren Kenntnisnahme der Versetzung an“ nur noch die eingeschränkten Rechte eines Administrators.
Er darf dann in seinem Bistum keine einschneidenden Veränderungen mehr beschließen. Das aber hat Kasper getan: Am 24. März informierte er den Betriebsrat über die geplante Kündigung von Renz. Kaspers Ernennung zum Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates in Rom war bereits am 16. März erfolgt.

Ob der 40jährige Renz, Vater von vier Kindern, wieder an seinen bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren kann, müssen nun Juristen entscheiden. Am kommenden Donnerstag treffen sich Vertreter des Verlages und Renz erstmals vor dem Arbeitsgericht.
 
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Stuttgarter Nachrichten, 30.07.99

Gütetermin gescheitert

Erwachsenenbildung statt "Katholisches Sonntagsblatt''?

Stuttgart - Zwischen dem Schwabenverlag in Ostfildern und dem gekündigten Chefredakteur des "Katholischen Sonntagsblatts'', Uwe Renz, gibt es auch nach einem Gütetermin keine Einigung.

VON MARIA WETZEL

 Vor dem Arbeitsgericht in Esslingen lehnte Renz am    Donnerstag eine Abfindung in Höhe von 30000 Mark ab. Als Alternative will das Ordinariat in Rottenburg Renz eine Stelle in der Diözese anbieten. Denkbar sei etwa eine Tätigkeit im Bereich der Erwachsenenbildung, sagte der Anwalt des Verlags, Peter Herzberg. Eine Wiedereinstellung von Renz lehnte er ab. Jörg Richardi, der Anwalt von Renz, will in den kommenden Wochen darüber mit dem Schwabenverlag verhandeln. Renz betonte aber auch, er wolle an seinen früheren Arbeitsplatz zurückkehren.

Der Schwabenverlag hatte am 18. Juni Renz, der seit 1994 Chefredakteur des "Sonntagsblatts" ist, die Kündigung überreicht. Dies erfolgte in Abstimmung mit Walter Kasper, dem früheren Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der zum 1. Juni als Sekretär des Einheitsrates in den Vatikan wechselte. Renz habe immer wieder gegen die Richtlinien von Herausgeber Kasper verstoßen, begründete Herzberg die Entlassung zum 31. Dezember. Zu einer der Hauptaufgaben des Chefredakteurs gehöre es, "die Position des Bischofs deutlich zu machen''. Renz habe dies unter anderem unterlassen, als das Blatt im März über “späte Väter'' und dabei auch über den (mehrfach geschiedenen) Oskar Lafontaine berichtete. Zu einer solchen Geschichte hätte auch die Haltung der katholischen Kirche gehört, die die lebenslange Ehe für das einzig richtige halte, so Herzberg. Die Kirche habe laut Bundesverfassungsgericht das Recht, ihren Mitarbeitern Loyalitätspflichten aufzuerlegen. Deshalb dürfe sie beispielsweise auch einer Kindergärtnerin, die einen geschiedenen Mann heirate, kündigen.

Richardi sagte, Renz habe sich nichts vorzuwerfen, was eine Kündigung rechtfertige. Auch aus der Kirchenleitung habe er nach der Kündigung viel Wertschätzung erfahren. Mehrere hundert Abonnenten, darunter auch Pfarrer, haben inzwischen aus Protest das "Sonntagsblatt'' abbestellt.

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Südwestpresse, 31.07.1999

KIRCHE

Weiter Streit um Bistumsblatt

OSTFILDERN • Der entlassene Chefredakteur des "Katholischen Sonntagsblattes" in der Diözese Rottenburg, Uwe Renz, hat sich mit seinem Arbeitgeber nicht auf eine Abfindung geeinigt. Die Anwälte beider Parteien wollten in der kommenden Woche über weitere Gespräche beraten, sagte der Rechtsvertreter des Schwabenverlags aus Ostfildern im Kreis Esslingen. Die Güteverhandlung in Esslingen war angesetzt worden, nachdem der Verlag den Dienstvertrag von Renz zum 31. Dezember 1999 gekündigt hatte. Ihm sei angeboten worden, künftig bei der Diözese "im Rahmen der Erwachsenenbildung und bei Seminaren" angestellt zu werden, sagte der Verlagsanwalt nach dem Gespräch.
Über das Angebot oder eine eventuelle Abfindung habe der 40 Jahre alte Journalist und Theologe allerdings noch nicht entschieden. Auf der Trennung von Renz hatte der inzwischen in den Vatikan berufene frühere Rottenburger Bischof Walter Kasper bestanden. Als Grund für die Kündigung hatte das Ordinariat erhebliche Probleme in der Zusammenarbeit mit der Verlagsleitung angeführt. Es bestünden unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Blattes und schwierige menschliche Probleme, hieß es. Renz hatte sich wiederholt kritisch mit der Rolle der Kirche auseinandergesetzt. Nach der Trennung von Renz sollen Hunderte von Lesern, darunter auch Pfarrer, die Kirchenzeitung abbestellt haben.
dpa

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Stuttgarten Nachrichten, 31.07.1999

Gütetermin: Kreidler bedauert Scheitern

Rottenburg (kna) - Der Administrator der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Johannes Kreidler, hat das vorläufige Scheitern der Bemühungen um eine gütliche Einigung zwischen dem Schwabenverlag und dem ehemaligen Chefredakteur des "Katholischen Sonntagsblatts'', Uwe Renz, bedauert. Der Weg  vor das Arbeitsgericht sei ein unangemessener Weg für die Lösung von Konflikten in der Kirche, sagte Kreidler am Freitag in Rottenburg. Am Donnerstag war bei der ersten Gerichtsverhandlung wegen der Kündigung von Renz vor dem Arbeitsgericht in Esslingen keine Einigung erzielt worden.

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Kirche Intern
A-1100 Wien, Neusetzgasse 5
13. Jhg., Nr. 8/August 1999

Rottenburg-Stuttgart: Auf der Straße

Der Chefredakteur der Bistumszeitung Rottenburg-Stuttgart, Uwe Renz, Vater von vier Kindern, mußte am 18. Juni innerhalb von einer Stunde seinen Arbeitsplatz verlassen. Der Schwabenverlag und der Herausgeber des  Blattes, Administrator Weihbischof Johannes Kreidler, hatten ihm die Kündigung zum 31. Dezember ausgesprochen. Begründung: Probleme in der Zusammenarbeit, die Berichterstattung über die Kirchen Volks-Bewegung, die Laieninstruktion und der „Herdenbrief. Bereits im März soll der damalige Bischof Walter Kasper, dessen Weggang nach Rom bevorstand, vergeblich über den Aufsichtsrat versucht haben, Renz aus seiner Funktion zu entfernen. Dem derzeitigen Bistumsverwalter, Administrator Kreidler, wird vorgeworfen, die Weisung jetzt „willfährig“ ausgeführt zu haben. Kirchenamtliche Version:
Die Kündigung von Ende März sei wegen angestrebter gütlicher Gespräche verschoben worden. Doch solche Gespräche mit Renz gab es nie. Über die Kündigung konnten weder die gewählte Laienvertretung, der Diözesanrat, noch der Priesterrat informiert werden, weil beide Gremien bei Vakanz eines Bischofsstuhles nach geltendem Kirchenrecht aufzulösen sind. Uwe Renz leitete das „Katholische Sonntagsblatt“ des Bistums seit fünf Jahren. Aufgrund von Umorganisationen des Bischöflichen Ordinariates, die Bischof Walter Kasper in den vergangenen Monaten bewerkstelligt hat (z.B. Entmachtung des Domkapitels von einem synodalen, mitbestimmenden Organ zu einem episkopalen Vollzugsorgan) wird befürchtet, daß die Bistumszeitung, die unter Renz sehr an Ansehen gewonnen hatte, nun zu einem „bischöflichen Amtsblatt“ werden soll.

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SONNTAGSBLATT

Keine Einigung bei Gütetermin

Der Gütetermin zwischen dem Schwabenverlag und dem entlassenen Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes, Uwe Renz, vor dem Arbeitsgericht in Esslingen ist gescheitert.

RAINER LANG

ROTTENBURG  Uwe Renz lehnte eine Abfindung von 30 000 Mark ab. Die Kirchenleitung bot ihm auch eine Stelle in der Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart an. Der Verlag lehnt eine Wiedereinstellung ab. Der Journalist will an seinen früheren Arbeitsplatz zurück. Falls es in den nächsten Monaten keine Einigung gibt, steht im November der Haupttermin an.
Der Schwabenverlag hatte Renz Mitte Juni entlassen, mit der Begründung: „erhebliche Probleme in der Zusammenarbeit“. Dies geschah auf Betreiben des früheren Bischofs Walter Kasper. Der Diözesanadministrator, Weihbischof Johannes Kreidler, hat das vorläufige Scheitern der Bemühungen um eine gütliche Einigung bedauert. Die Zustimmung der Kündigung durch Kasper sei aber kirchenrechtlich einwandfrei. Da Kasper seinen Verzicht aufs Bischofsamt erklärt habe, sei er bis zum Schluß voller Bischof  gewesen und nicht wie bei einer Versetzung nur noch Diözesanadministrator, betont der Sprecher der Diözese Klaus Hälbig. Kritisiert wird Renz von der Diözese, weil er die Position des Bischofs nicht deutlich genug gemacht habe. Zur Geschichte über späte Väter mit dem mehrfach geschiedenen Oskar Lafontaine hätte die Haltung der Kirche gehört. Die Entlassung hat einen Proteststurm ausgelöst und zu mehreren hundert Abbestellungen geführt. Klaus Barwig von der Katholischen Akademie begründet die Kündigung seines Abos damit, daß der Rauswurf von Renz dem Ansehen der Diözese und der wirtschaftlichen Situation des Blattes mehr geschadet als genutzt habe.
 

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Stuttgarter Zeitung, 8. Januar 2000
 

Vergleich mit Kirchenorgan

Neue Stelle für Exchef des „Katholischen Sonntagsblatts“

STUTTGART (mip). Uwe Renz, im Unfrieden ausgeschiedener Chefredakteur des „Katholischen Sonntagsblatts“, hat sich außergerichtlich mit dem Schwabenverlag Ostfildern geeinigt. Renz wird am Montag seine Arbeit als Leiter der Geschäftsstelle des Stadtdekanats Stuttgart aufnehmen.

„Ich habe von dieser Stelle erfahren und mich beworben“, erklärt der 40-Jährige. Renz hatte am 18. Juni 1999 binnen kürzester Frist seinen Schreibtisch in Ostfildern räumen müssen, obwohl sein Vertrag noch bis Jahresende 1999 lief. Nachdem der erste Gütetermin Ende Juli keine Einigung brachte, haben sich Verlag und Journalist mittlerweile auf eine Abfindung geeinigt. Weil keine fristlose Kündigung vorlag, sondern eine Freistellung des Chefredakteurs von der Redaktionsarbeit angeordnet worden war, liefen auch die Gehaltszahlungen bis zum Jahresende weiter.

Der Verlag habe sich wegen erheblicher Probleme in der Zusammenarbeit von Renz getrennt, hieß es im Juni. Das abrupte Ende der Zusammenarbeit des Schwabenverlags hatte in der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Herausgeber des „Katholischen Sonntagsblattes“ erhebliche Unruhe ausgelöst. Renz erhielt von vielen Seiten Unterstützung. So wurden unter Priestern der Diözese Unterschriftenlisten herumgereicht mit dem Inhalt, die Trennung zurückzunehmen.

Über die Gründe jenes Ausscheidens war in der Diözese viel spekuliert worden. Immer wieder wurde gesagt, dass der im Frühjahr nach Rom abgeordnete Bischof Walter Kasper Auslöser hierfür gewesen sein soll. Kasper habe mißliebige Personen in seiner Umgebung nie lange auf ihrem Posten belassen, wurde gemunkelt. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Bischof und Renz soll belastet gewesen sein. Der Bischof soll danach getrachtet haben, dass vor allem seine Meinung im Blatt vertreten ist.

Das mit einer Auflage von 70 000 Exemplaren erscheinende Kirchenblatt hatte nach dem unfreiwilligen Rückzug des Chefredakteurs eine Reihe von Kündigungen registrieren müssen.

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Reaktionen

Klaus Braden, Nattheim, Tel.: 07321 71216 Fax: 07321 73490 19.06.99

K. Braden, email:BradenK@t-online.de

An den
Schwabenverlag - Vertrieb
Postfach 4280
73745 Ostfildern

Betr.: Kündigung eines Abonnements

Hiermit kündige ich den Bezug des Katholischen Sonntagsblattes zum nächsten Termin - Nach meiner Berechnung ist dies zum Ende des 3. Quartals.

lch protestiere damit gegen die Entlassung von Uwe Renz als Chefredakteur. Ich werde dieses Schreiben auch meinen Gemeinden bekanntgeben.

Ich kündige nicht leichtfertig, denn ich bin dem Katholischen Sonntagsblatt seit ich lesen kann, verbunden.

Die erste Erinnerung war ein Fortsetzungsroman in den 50er Jahren über die Kirchenverfolgung in Mexiko.

Dann erinnere ich mich an den ersten (?!) abgedruckten Leserbrief, der von Professor Schelkle stammte („Mein liebes Sonntagsblatt“) ca. 1961/62. Da ich der Meinung war, das Sonntagsblatt sollte auch der Bildung der Katholiken und der kritischen Auseinandersetzung mit der Umwelt dienen, verfolgte ich den Stil des Blattes und war oft unzufrieden. Zum erstenmal reagierte ich in einem Brief auf eine abergläubige Darstellung des Weihwassers (der Teufel hat Angst vor dem Weihwasser!), dann schrieb ich auf einen verdummenden Artikel von Degenhardt zur Jungfrauengeburt (ca. 1969), der eine wochenlange Auseinandersetzung hervorrief. (Degenhard ist bis heute nicht klüger geworden!) Später legte ich mich mit dem Chefredakteur an, der unter einem Pseudonym eine Auftragsarbeit des Herausgebers schrieb und das „Hochwürden“ verteidigte. Immer wieder versuchte ich die Verbindung zur Redaktion, zum letzten Mal vor wenigen Wochen, als ich meine Mithilfe bei einer Internetrecherche anbot, weil der abgedruckte Artikel gar nicht auf unsere Diözese einging. Sogar ein Probeabonnement wurde von mir vorgeschlagen, wobei der Verlag dies allerdings zuerst auf Kosten der Pfarrämter laufen lassen wollte.

Deshalb war ich auch so erfreut, daß mit Amtsantritt von Herrn Renz der Stil des Blattes sich änderte. Ich hatte den Eindruck, daß jetzt die Katholiken ernst genommen wurden und nicht nur Hofberichterstattung abgedruckt wurde.

Ich begann wieder mit Interesse die Zeitung zu lesen und auch dafür zu werben.

Desto mehr trifft mich jetzt, daß der Herausgeber und der Verlag diese Arbeit nicht würdigt und Herrn Renz den Stuhl vor die Tür setzt. Welchen vernünftigen Redakteur bekommen sie noch, wenn er gleich mit der Zensurschere im Kopf arbeiten soll ?

Ich wünsche den verbleibenden Redakteuren, daß sie mit Witz und Phantasie weiterhin das Blatt machen und nicht mutlos dabei werden. Leider ist die Basis in der Diözese zu gering, um wie Publik-forum eine Zeltung von unten zu machen. Die Einstellung von Publik ist zum Bumerang geworden und ich hoffe, daß ein ähnlicher Effekt jetzt auch eintritt.

Sobald der Herausgeber und der Verlag der Redaktion wieder Spielraum zu eigenständigem Nachdenken und Arbeiten gibt, dürfen Sle mich wieder informieren, damit ich ein Probeabonnement beziehen kann.

Mit freundlichem Gruß

gez.: Klaus Braden, Pfarrer

p.s. Ich behalte mir das Recht vor, diesen Brief an weitere Personen zu schicken.

Internet: Http://home.t-online.de/home/BradenKlaus htm

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Protest gegen Herausgeber und Verlag des
Katholischen Sonntagsblattes

Die Kündigung des Chefredakteurs Uwe Renz

Empörung macht sich breit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und in der Leserschaft der Bistumszeitung, des Katholischen Sonntagsblattes. Denn dessen Herausgeber, der frühere Bischof und als Sekretär in den Vatikan gewechselte Walter Kasper, hat noch vor seinem Weggang die Entlassung des Sonntagsblatt-Chefredakteurs Uwe Renz bewirkt. Und Diözesanadministrator Dr. Johannes Kreidler befolgte Kaspers Wunsch und unternahm nichts gegen den Kündigungsmechanismus. Seit der Amtsübernahme durch Renz vor fünf Jahren hatte sich das Blatt „zu einer der führenden Kirchenzeitungen Deutschlands“ gemausert, sagte immerhin der Verlags-Geschäftsführer, nachdem er Renz gekündigt hatte. Das bestätigen Insider. Lob stellen auch viele Leserinnen und Leser aus, darunter zahlreiche Hauptamtliche in der Diözese.

Wer hat warum gekündigt?

Vielleicht hatte die Leserschaft schätzen gelernt, daß das Katholische Sonntagsblatt auch Kritik an Entscheidungen der Kirche zuließ, daß Beiträge erschienen, die Meinungsvielfalt darstellten und das bunte Leben in unserer Diözese. Das gefiel dem nach Rom strebenden Bischof Kasper offenbar nicht. Meinungsvielfalt und wirklichen Dialog wollte er in „seiner“ Kirchenzeitung nicht haben. Zum Ende März bereits hatte er vor, Renz via Aufsichtsrat des Verlags und Vorstand Udo Vogt kündigen zu lassen, doch im Rottenburger Ordinariat, so hört man, wollte man Kasper nicht als Drahtzieher öffentlich im Regen stehen sehen. Also wartete man Kaspers Weggang ab - und zog die Kündigung schließlich am 18. Juni durch. Die Kündigung nahm Uwe Renz um 11 Uhr entgegen, nach einer Stunde mußte er das Haus verlassen haben, weitere Arbeit am Blatt wurde ihm untersagt. Offizielle Begründung des Verlags: Probleme mit Renz „in der Zusammenarbeit“. Und jetzt läßt das Ordinariat verlauten, Ende März sei die Kündigung verschoben worden, weil man auf gütliche Gespräche gesetzt habe. Doch solche Gespräche fanden nie statt.

Widersprüchliche Informationen

Die Beobachter staunen. Plötzlich sollen verlagsinterne Probleme als Grund herhalten? Anrufer bekommen im Verlag (wenn überhaupt jemand Auskunft gibt) das eine Mal zu hören, es seien Differenzen um die Ausrichtung des Blattes der Grund gewesen, dann wieder heißt es, die Linie des Blattes werde fortgeführt. Und in Rottenburg verweist man auf „verlagsinterne“ Probleme. So wird offenbar der Schwarze Peter hin und her geschoben, zu Lasten eines verdienten Journalisten und Vaters von vier Kindern, der sich plötzlich als Arbeitsloser sieht.

Es ist eine böse Entscheidung:
l gegen eine offenere Berichterstattung im Sonntagsblatt („revolutionär“ war das Blatt sowie so noch nie) und damit auch
l gegen die Leserinnen und Leser selbst, die zu Recht einen korrekten, ehrlichen kirchlichen Journalismus erwarten,
l gegen einen Familienvater, der sich nun auf einem engen Arbeitsmarkt nach einer neuen Stelle umsehen muß und nur hoffen kann, etwas zu finden, und auch
l gegen die Kirche selbst, die nun in der Öffentlichkeit erneut als „muffig“, „unsozial“, „autoritär“ und als „von gestern“ dasteht.

Viele Leserinnen und Leser sind erbost, viele haben auch schon als Protest das Sonntagsblatt abbestellt (auch wir haben die Exemplare, die vom Pfarramt Giengen bezogen wurden, gekündigt), viele dem Schwabenverlag oder dem Diözesanadministrator geschrieben.

Was ändert sich dadurch?

Solange in Selbstherrlichkeit und unangefochten „regiert“ wird, ändert sich nichts. Aber wenn die Kirche, die wir eben alle sind und nicht irgendwelche Manager oder Hierarchen in Alleinverantwortung, sich regt und auf solche Skandale reagiert, könnte sich etwas tun. Oder haben Sie schon resigniert? Ich nicht.

Stefan Cammerer, Giengen/Brenz, 25. Juni 1999
veröffentlicht in „gemeinde aktuell“ Nr. 8/1999, Mitteilungen der Kath. Kirchengemeinde Giengen/Brenz

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Wir sind Kirche

Presseerklärung zur Entlassung des Chefredakteur des „Katholischen Sonntagsblattes, Herrn Uwe Renz

Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, daß Herr Uwe Renz (40), Chefredakteur des Bistumsblattes „Katholisches Sonntagsblatt“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart am 18. Juni 1999 vom Schwabenverlag und vom Administrator Weihbischof Dr.Kreidler entlassen wurde. Herr Renz mußte innerhalb von einer Stunde seinen Arbeitsplatz verlassen. Die Kündigung wurde auf den 31.12.1999 ausgesprochen. Als Begründung wurde vor allem genannt: die Berichterstattung über die  KirchenVolksBewegung, die Laieninstruktion und den „Herdenbrief“.

Herr Renz hat in den letzten 5 Jahren als Chefredakteur aus dem langweiligen,  verstaubten Bistumsblatt eine lesenswerte Zeitung gemacht, die ausgewogen und verantwortlich über das kirchliche Leben in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und aus der Weltkirche berichtete. Diese Beurteilung ist von allen Seiten in der Diözese zu hören.

Aus zuverlässiger Quelle wissen wir, daß Bischof Dr. Kasper bereits vergeblich im März 1999 versuchte, Herrn Renz aus seiner Funktion zu entfernen. Jetzt hat er  noch bei seinem Weggang nach Rom die Entlassung von Herrn Renz in die Wege geleitet und den Administrator Herrn Dr. Kreidler damit beauftragt. Dieser hat dies willfährig ausgeführt. Der Zeitpunkt der Entlassung von Herrn Renz bot sich aus Sicht der Bistumsleitung jetzt an, da der Diözesanrat, die gewählte Laienvertretung, und der Priesterrat mit dem Weggang von Bischof Dr. Kasper automatisch aufgelöst sind. Damit ist eine Intervention von diesen beiden Bistumsgremien nicht zu befürchten.

Wir bedauern, daß Herr Renz trotz seiner anerkannten guten Leistungen als Chefredakteur seine Position und als Familienvater von 4 Kindern seinen Lebensunterhalt verloren hat. Herr Renz hat unsere volle Solidarität.

Diese Maßnahme der Bistumsleitung zeigt erneut, daß die katholische Kirche immer stärker das II. Vatikanische Konzil und dessen Reformen unterlaufen will. Das verbriefte Recht der Laien auf Mitsprache in dieser Kirche als gleichberechtigte Glieder des Volkes Gottes wird vom Klerus nicht mehr anerkannt. Das beweist die römische Laieninstruktion von 1997, die vor allem die Laienpredigt auch von vollausgebildeten Laientheologen verboten hat. Das beweist der große Reformstau in der katholischen Kirche, den die KirchenVolksBewegung mit ihrer Unterschriftsaktion 1995 - 1,8 Millionen Zustimmungen wurden gesammelt - bis heute nicht aufbrechen konnte. Das beweist auch die Behandlung des „Herdenbriefes“, den Christinnen und Christen als Antwort auf den Hirtenbrief im März 1999 in Sorge um die katholische Kirche an Bischof Dr. Kasper geschrieben haben. Dieser „Herdenbrief“ sollte bereits im Januar 1999 vorab durch unsachliche, überzogene Stellungnahmen von Domkapitel und Priesterrat unterdrückt werden.

Diesen Rückzug in die Richtung einer mittelalterlichen Kirche hat Bischof Dr.Kasper - fast unbemerkt durch die Öffentlichkeit - auch durch die Umorganisation des bischöflichen Ordinariats in den letzten Monaten bewerkstelligt. Die Umorganisation bedeutet praktisch eine Entmachtung des Domkapitels von einem synodalen, mitbestimmenden Organ zu einem episkopalen Vollzugsorgan, d. h. Der Bischof hat seine absolute Gewalt ausgebaut.

In diesem Sinne ist es also folgerichtig, jetzt auch den Chefredakteur von „Katholisches Sonntagsblatt“ abzulösen und das Bistumsblatt gleichzuschalten. Das Bistumsblatt soll zu einem „bischöflichen Amtsblatt“ und zu einer „Hauspostille des Bischofs“ herabgestuft werden.

Die Katholikinnen und Katholiken der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die verantwortlichen Pfarrer der Gemeinden und alle Leser von „Katholisches Sonntagsblatt“ sollten überlegen, ob sie das Bistumsblatt weiterhin beziehen wollen. Verlag und Bistumsleitung sollte klar gemacht werden, daß in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mündige Christinnen und Christen leben, die eine zensierte Zeitschrift als Informationsquelle nicht akzeptieren.

Wir bedauern, daß unser Vertrauen in unsere Kirche und in unsere Bistumsleitung erneut tief enttäuscht worden ist.

Herrenberg, 22. Juni 1999

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Offener Brief des Betriebsseelsorger-Teams

Betriebsseelsorge-Team
- Diözese Rottenburg-Stuttgart -
Postfach 700137, 70571 Stuttgart
Tel.: (0711)9791-115   Fax (0711)9791-114

An
Schwabenverlag AG
Postfach 4280
73745 Ostfildern

Stuttgart, 5.7.99
 

OFFENER BRIEF

Gnadenloses Arbeitgeberverhalten in einem kirchlichen Betrieb

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir katholischen Betriebsseelsorger in der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben in einem Schreiben an den Herausgeber des Kath. Sonntagsblattes, Herrn Weihbischof Dr. Hans Kreidler, unsere Empörung und Bestürzung über die Entlassung des Chefredakteurs Uwe Renz zum Ausdruck gebracht. Inhaltliche Divergenzen zwischen Herausgeberschaft bzw. Verlag und dem Chefredakteur dürfen in einem kirchlich bestimmten Unternehmen nicht auf so entwürdigende und persönlichkeitsverletzende Weise, die zudem die Existenz eines 40-jährigen Familienvaters bedroht, ausgetragen werden. Auch der gesetzlich verankerte Tendenzschutz rechtfertigt niemals ein solch gnadenloses Arbeitgeberverhalten in einem kirchlichen Verlag. Hier werden die Werte der Kath. Soziallehre mit Füßen getreten.

Kraft unseres kirchlichen Amtes bekämpfen wir Betriebsseelsorger solche Vorgehensweisen in der Wirtschaft. Umso schmerzlicher müssen wir nun zur Kenntnis nehmen, daß all unsere Appelle um mustergültige Arbeitsbeziehungen in Kirche und kirchlichen Betrieben ungehört verhallen. Diese aber sind Teil unserer „Verkündigung“ und müssen pastoralen Gesichtspunkten Rechnung tragen.
Wer diese Maßnahme gegen Uwe Renz zu verantworten hat, weiß scheinbar nichts von der Dramatik der Massenarbeitslosigkeit und hat sicher noch nie um seinen Arbeitsplatz zittern müssen. Recht und Würde der Arbeit - zentrale Aussagen der Kath. Soziallehre - scheinen ihm unbekannt oder gleichgültig zu sein. Auf jeden Fall werden sie in diesem Vorgang der Lächerlichkeit preisgegeben.

Wir bezeugen - wie wir es in den Auseinandersetzungen in der Wirtschaft auch tun - unsere tiefe Solidarität mit dem Betroffenen und seiner Familie.

Wir wissen, daß wir alle Fehler machen können. Daher appellieren wir an die Kirchen- und Verlagsleitung, die Kündigung zurückzunehmen und nach dem entstandenen Schaden die menschliche Aussöhnung mit Uwe Renz zu suchen.

Die Betriebsseelsorger der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Werner Baur, Ulm
Karl Keicher, Heilbronn
Guido Lorenz, Stuttgart
Patrik Schneider, Böblingen
Rolf Siedler, Aalen
Alfons Forster, Göppingen
Werner Langenbacher, Ravensburg
Thomas Maile, Tuttlingen
Paul Schobel, Fachbereich Diözese
Martin Zahner, Ludwigsburg

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Brief der Initiative "Katholisches Sonntagsblatt

Filderstadt, 30.06.1999
 

Initiative „Katholisches Sonntagsblatt“

Kontakt-Adressen:
Bernd Ciré Bernhard Löffler Kilian Nuß Martin Sayer
Fanny-Leicht-Str. 33 Sebastian-Sailer-Bau Plattenhardter Str. 45 Neuhalden Str. 16 70563 Stuttgart 89611 Obermarchtal 70794 Filderstadt 72074 Tübingen 0711/133590 07375/434 0711/773430 07071/81268
 

An den Herausgeber des Kath. Sonntagsblattes
Herrn Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Johannes Kreidler
Postfach 9
72101 Rottenburg a. N.

An den Vorsitzenden
des Aufsichtsrats des Schwabenverlags
Herrn Dr. Leopold Schuler
Senefelderstr. 12
73760 Ostfildern-Ruit

An den Vorstand des Schwabenverlags
Herrn Udo Vogt
Senefelderstr. 12
73760 Ostfildern-Ruit
 

Sehr geehrter Herr Diözesanadministrator Dr. Kreidler,
sehr geehrter Herr Dr. Schuler,
sehr geehrter Herr Vogt,

wir sind bestürzt über die Kündigung, die Sie als Herausgeber und Verlagsleitung gegenüber dem Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblatts Herrn Uwe Renz ausgesprochen haben und protestieren entschieden gegen diesen Schritt.

Wir haben zwar nur einen unvollständigen Einblick in die Vorgänge und können uns deshalb nicht mit den Gründen dieser Kündigung im Einzelnen auseinandersetzen. Aber wir erleben in unseren Gemeinden und in der Öffentlichkeit die verheerenden Auswirkungen dieser Entscheidung. Das veranlasst uns, Stellung zu beziehen.

Viele Leserinnen und Leser des KS können dieses Vorgehen nicht verstehen. Sie haben die Entwicklung des KS in den vergangenen 4 Jahren als positiv und wohltuend offen erlebt. Sie befürchten nun einen Bruch.

Das KS hat unter der Redaktionsleitung von Herrn Uwe Renz in diesen 4 Jahren einen Aufschwung erlebt. Wir empfanden die Berichterstattung als ausgewogen. Das Blatt hat sich im Vergleich zu anderen Kirchenzeitungen über dem Durchschnitt halten können. Es wurden neue, kritische, auch jüngere Interessentinnen und Interessenten gewonnen, die für die Zukunft des KS von entscheidender Bedeutung sind. Gerade diese Gruppe der Leserschaft ist bitter enttäuscht (s. die vielen Kündigungen).

Unter den Journalisten der Kirchenpresse verstärkt sich die Sorge, dass in der Diözese - bei voller Anerkennung des Tendenzschutzes - das Zutrauen in die berufliche Kompetenz eingeschränkt und der notwendige Freiraum beschnitten wird.

Wir fragen: Wie wirkt diese Kündigung z.B. auf die übrigen Redaktionsmitglieder, wenn sie Ähnliches befürchten müssen - zumal es zwangsläufig immer wieder zu Spannungen kommt im Spagat zwischen Herausgeber und der Meinungsvielfalt einer Diözese?

Wir fragen weiter: Wird sich unter solchen Umständen ein kompetenter Nachfolger oder eine kompetente Nachfolgerin finden lassen?

In der Öffentlichkeit wird diese Kündigung eingereiht in eine lange Kette ähnlicher Erfahrungen. Viele sehen sich bestätigt in ihrer Sicht der Katholischen Kirche. Werden sie sich noch weiter distanzieren?
Sehr geehrte Herrn, wir meinen, diese Kündigung hat dem KS und der Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche in der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt.

Wiegt das den „Gewinn“ auf?
Ist der Preis nicht zu hoch?
Hätte man zur Klärung der Spannungen nicht einen anderen Weg finden können?
Könnte es nicht sein, dass es auf beiden Seiten eine Unfähigkeit der Vermittlung gegeben hat?
Mußte dann „die Macht“ entscheiden?
Wäre der Wechsel in der Person des Herausgebers nicht eine Chance gewesen?
Mußte die Kündigung des Chefredakteurs so und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen werden?

Wir treten dafür ein, dass die Kündigung zurückgenommen wird und Herr Uwe Renz seine Tätigkeit wieder aufnehmen kann.
 

Zur Kenntnisnahme:
Herrn Prälat Werner Redies, Postfach 9 72101 Rottenburg a. N.
Herrn Dr. Klaus Koziol, Rottenburg Postfach 9 72101 Rottenburg a. N.
Herrn Uwe Renz, Im Brandfeld 16 70794 Filderstadt
KNA - Herrn Alban Lämmle, Hohe Str. 3A 70174 Stuttgart
Redaktion des Katholischen Sonntagsblatts, Postfach 4280 73745 Ostfildern
mit der Bitte um Veröffentlichung

Bis Absendung dieses Briefes an die angegebenen Adressaten am 7.7.99 hatten 79 Personen diesen Brief unterzeichnet. (s. Artikel Stuttgarter Nachrichten vom 8.7.99)

Wer sich diesen Unterzeichnern noch anschließen möchte (immer noch möglich!), ist gerne dazu eingeladen. Eine eMail an den "Webmaster" genügt, er leitet die Unterschrift weiter.

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Brief des Pastroalteams der Kirchengemeinde St. Johannes Nürtingen vom 7.7.99

Sankt Johannes Nürtingen
- Pastoralteam -

An den
Administrator der Diözese Rottenburg-Stuttgart
H.H. Weihbischof
Dr. Johannes Kreidler
Postfach 9
72101 Rottenburg/N.

Den 7. Juli 1999

Sehr geehrter Herr Weihbischof Dr. Kreidler,

wir haben mit großem Erstaunen zunächst, dann mit wachsender Enttäuschung zur Kenntnis genommen, daß Sie, einer in Absprache mit der Leitung des Schwabenverlags von Bischof Walter getroffenen Anordnung folgend, den Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes, Herrn Uwe Renz, entlassen haben.
Keineswegs ist Ihnen entgangen, was viele Menschen unserer Diözese, auch unserer Kirchengemeinde in Nürtingen in den vergangenen Jahren mit Freude und dankbar zur Kenntnis genommen haben:
daß nämlich unsere Bistumszeitung ihrer Provinzialität entkommen und zu einem ansprechenden, im positiven Sinne kritischen Forum des Meinungsaustausches auch in kontrovers diskutierten Sachfragen geworden ist. Herr Renz hat sich in erster Linie und logisch konsequent als Journalist verstanden und dementsprechend seine Arbeit geleistet. Seine Berichterstattung war umfassend und hat brisante politische Themen und diözesane Probleme offen angesprochen. Mehr als früher sah sich der Leser als mündiger Christ und mit dem Bedürfnis nach der Bildung einer eigenen Meinung ernst genommen. Dies hat weder unsere Solidarität mit der Kirche noch die Loyalität mit unserem Bischof beeinträchtigt.
Wir bedauern die Entscheidung der Diözesanleitung als Herausgeber des Sonntagsblattes, die offenbar in der Entlassung von Herin Renz die alleinige Möglichkeit zur Beilegung eines seit langem schwelenden Konflikts sah, und setzen uns dafür ein, daß Herr Renz seine Tätigkeil als Chefredaktuer wieder aufnehmen kann.
Eine katholische Kirche, die den mündigen Christen fordert, und eine Diözese, welche Glieder am Leib Jesu Christi wünscht, die sich zum Subjekt ihrer eigenen Belange machen, braucht kein „gleichgeschaltetes“   Einheitsblatt,   sondern   ein   Medium   der   offenen   und   kritischen Auseinandersetzung.
Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für Ihre vielfältigen und schwierigen Aufgaben in der Sedisvakanz grüßt Sie das Pastoralteam von  St. Johannes Nürtingen

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Brief von Dr. Aich/Dr. Aich-Schlott vom 21.07.1999

Dres.med.Adolf Aich                                                                  Stuttgart, den 12.7.1999
und Hildegard Aich-Schlott
Wildungestr. 46
70372 Stuttgart
 

An die Verlagsleitung
Des Kath. Sonntagsblatts
Schwaben-Verlag AG
Postfach 4280

73745 Ostfildern

Betr.: Ihre Stellungnahme zur Entlassung von Herrn Uwe Renz in Nr. 27 des Kath. Sonntagsblatt
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,

die Entlassung von Herrn Renz hat nicht nur die Leser aufhorchen lassen, sondern, wie zu erwarten war, auch in der Tagespresse ein kritisches Echo ausgelöst, was Sie wiederum veranlaßt hat, in einer sehr allgemein gehaltenen Mitteilung "in eigener Sache" die erhobenen Vorwürfe empört zurückzuweisen.

Sie schreiben, es sei "von interessierter Seite eine weithin unrichtige Pressekampagne in Gang gesetzt" worden, nennen aber nicht, was daran unrichtig ist. Gerade dies würde die Leser interessieren.

Dann stürzen Sie sich auf das Flugblatt der sog. "Kirchenvolksbewegung", das die "haarsträubendsten Behauptungen, Unterstellungen bis hin zu Verleumdungen von Verlag und Diözesanleitung" enthalte. Wir haben das Flugblatt erst jetzt von Bekannten bekommen und möchten gerne wissen, was im einzelnen daran unrichtig ist. Wenn Sie so starke Worte wie "Verleumdungen" gebrauchen, so müssten Sie diese belegen, sonst könnte der Stiel evtl. umgedreht werden. Die "wahren Gründe und Umstände" sollten von Ihnen und der Diözesanleitung auf den Tisch gelegt werden. Gewiss ist der Ton des Flugblattes gereizt. In solchen Fällen sollte man sich aber auch überlegen, ob man nicht selber Fehler gemacht hat. - So würden wir es jedenfalls in unserem Beruf für richtig halten.

In Ihrer Stellungnahme ist die Entlassung von Herrn Renz so dargestellt, als ob diese allein durch sein "Verhalten" bedingt sei. Es "hätten Beschwerden seitens des Verlags und des Herausgebers" vorgelegen. Wenn es sich um Dinge persönlicher Art handelt, so unterliegen diese Ihrer Verschwiegenheitspflicht. Wenn aber inhaltliche Fragen hierbei eine wesentliche Rolle gespielt haben, so sollten dies auch die Leser wissen, namentlich dann, wenn inhaltliche Änderungen vom Herausgeber gefordert wurden. Mit Allgemeinplätzen, es sei keine Kooperation mehr gewährleistet gewesen, wird mehr vernebelt als geklärt.

Herr Renz hat stets in sehr offener und redlicher Weise über die aktuellen Themen berichtet, die die Leser interessieren, und auch wunde Punkte nicht verschwiegen. Er hat damit ein Beispiel unerschrockener journalistischer Offenheit und Wahrhaftigkeit gegeben. Wie schön war es, dass ein junger Chefredakteur in einer kirchlichen Zeitung in dieser Weise berichten konnte. Wir sahen das als Zeichen der Hoffnung und Ermunterung, vor allem für junge Christen.

Herr Renz hat ja nicht gesagt, dass das, was von den verschiedenen Seiten oft plakativ gefordert wird, verwirklicht werden soll. Aber er wollte wohl den Dialog in Gang halten, und das ist von Rom aus unerwünscht. Dort setzt man darauf, dass man mit quasiunfehlbaren Verlautbarungen alles bis ins Kleinste reglementiert und die Priester durch Eide darauf einschwört. Was die Laien betrifft, so sollen diese wegen grundsärtlicher Inkompetenz schweigen und gehorchen. Nur mit dieser kleingläubigen geistigen Engführung meint man, den Glauben erhalten zu können. Gleichzeitig soll alles Negative unter den Teppich gekehrt werden. Da passte Herr Renz freilich nicht ins Konzept.
Unschön ist auch die Art, wie die Kündigung erfolgte. Da fordert der scheidende Bischof eine Kirche der Barmherzigkeit - und dann dieses Vorgehen!

Der Schaden wäre wohl am geringsten, wenn Sie Herrn Renz wieder einstellen würden. Da die Entlassung aber offensichtlich vom Herausgeber gefordert wurde und dieser nicht irren kann, besteht in dieser Richtung wohl keine Hoffnung.

Die Sache ist, wie sie bislang gelaufen ist, keine Empfehlung unserer Kirche.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Adolf Aich
Dr. Hildegard Aich-Schlott

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Katholische Kirchengemeinde St. Hedwig, Stuttgart-Möhringen, 22.07.99

An den Vorstizenden des Aufsichtsrats des Schwabenverlags
H. Dr. Leopold Schuler
Senefelderstraße 12
73760 Ostfildern-Ruit

An den Vorstand des Schwabenverlags
Herr Udo Vogt
Senefelderstraße 12
73760 Ostfildern-Ruit

Betr.: Entlassung des Chefredakteurs des Kath.Sonntagsblattes

Sehr geehrter...

Der Kirchengemeinderat von St.Hedwig hat sich in seiner Sitzung am 22. Juli 1999 ausführlich mit der Kündigung gegenüber dem seitherigen Chefredakteur des Kath.Sonntagsblattes, Herrn Uwe Renz, beschäftigt und erörtert, welche Schritte unsererseits unternommen werden können.

Einstimmig wurde dann beschlossen, daß wir uns der Initiative "Katholisches Sonntagsblatt" der vier Diözesanpfarrer vom 30.06.1999 anschließen und auf diese Weise gegen die Entlassung von Herrn Uwe Renz protestieren.

Für den Kirchengemeindrat von St.Hedwig

(Pfr.Kuhn)      (Jelen, 2.Vors. d. KGR)

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Erklärung des Berufsverbandes der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten vom 26. Juli 1999

Berufsverband der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Markus Lindel; Karolingerstr. 10; 71332 Waiblingen
 

Erklärung zur Kündigung von Uwe Renz, Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes

Der Berufsverband der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart bedauert und kritisiert die Kündigung, die Verlag und Herausgeber gegenüber dem Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes, Herrn Uwe Renz ausgesprochen haben.
Wir befürchten, daß die offene Linie des Sonntagsblattes, die Uwe Renz vertreten hat und die auch kritische Stimmen zu Wort kommen ließ, mit seiner Kündigung eingeschränkt wird. Erste Anzeichen dafür sehen wir in der Erklärung des Verlags im KS Nr. 27 vom 4.7.1999, in der Kritiker pauschal verunglimpft werden, sowie in der Tatsache, daß kritische Leserbriefe zu dieser Kündigung im KS nicht abgedruckt wurden.

Wir unterstützen daher die Stellungnahme der „Initiative Katholisches Sonntagsblatt“ (Cire, Löffler, Nuß, Sayer u.a.) und treten ebenfalls für eine Rücknahme der Kündigung ein.

Stuttgart, 26.7.1999
Für den Vorstand: Dr. Reinhard Pfau

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Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR)

Presseerklärung der AGR vom 26.07.1999

Auf seiner letzten Sitzung hat sich der Geschäftsführende Ausschuß der Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) mit der Kündigung des Chefredakteurs Uwe Renz vom Katholischen Sonntagsblatt befaßt.

In einem Brief an Diözesanadministrator Dr. Kreidler, an die Mitglieder des Aufsichtsrates des Schwabenverlags und an den Verlagsdirektor Udo Vogt bringen sie ihre Mißbilligung der Kündigung zum Ausdruck und fordern ihre Rücknahme. Das sei möglich, da Bischof  Dr. Walter Kasper, der frühere Herausgeber, mit seiner Kritik an der Linie des Sonntagsblatts  nicht mehr Diözesanbischof sei, und der Verlag betone, an der Linie des Katholischen Sonntagsblattes festhalten zu wollen.
Falls die Kündigung von Uwe Renz nicht zurückgenommen werde, wollen die Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses eine weitere Werbung des Schwabenverlages, der mehrheitlich der Diözese gehört, in ihren Gemeinden nicht mehr unterstützen.

Die Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) ist ein Zusammenschluß von 181 Theologen der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zum weitaus größten Teil Pfarrer, die sich zum Ziel gesetzt haben, in kritischer Loyalität die Entwicklung der Kirche zu begleiten und sich für Reformen einzusetzen.
 
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Brief der Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) vom 21.07.1999

AGR - AKTIONSGEMEINSCHAFT ROTTENBURG GESCHÄFTSSTELLE
Pappelweg 15 - 17
72270 Baiersbronn
Telefon: 07442-2463 Fax: 2414
Homepage: http://home.t-online.de/home/07112360650/agr.htm
 

Datum
21.07.99

Kündigung von Uwe Renz
Sehr geehrter Herr Diözesanadministrator Dr. Kreidler,
sehr geehrter Herr Redies,
sehr geehrter Herr Dr. Schuler,
sehr geehrter Herr Vogt,

der Geschäftsführende Ausschuß der Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) hat sich bei seiner letzen Sitzung mit der Kündigung des Chefredakteurs des Katholischen Sonntagsblattes, Uwe Renz, befaßt.

Wir halten diese Kündigung und die Art, wie sie vollzogen wurde, für äußerst schädlich - für Uwe Renz und seine Familie, für das Ansehen der Kirche und für das Katholische Sonntagsblatt.
Nach unseren Informationen lag der Hauptgrund der Kündigung darin, daß Bischof Dr. Walter Kasper im Sonntagsblatt seine Linie zu wenig vertreten sah und Herrn Renz sein Vertrauen entzogen hat.

Nun ist Bischof Kasper nicht mehr Bischof unserer Diözese.

Zudem betont der Verlag, daß sich die „Linie“ des Blattes auch gar nicht ändern soll. (Wir wundern uns allerdings sehr, daß keine kritischen Leserbriefe in dieser Sache veröffentlicht wurden!)
Wenn der Grund der Kündigung entfällt, ist die Kündigung hinfällig.

Wir bitten Sie deshalb dringend, alles dafür zu tun, daß die Kündigung zurückgenommen wird und Uwe Renz wieder zusammen mit seiner Redaktion, die ihm ja ihr Vertrauen ausgesprochen hat, als Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblatt arbeiten kann.

Falls dies nicht geschieht, sehen wir uns nicht mehr in der Lage, den Schwabenverlag bei seiner Werbung in unseren Gemeinden zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen

gez.: Hermann Barth, Stefan Cammerer, Joachim Harner, Reinhold Hübschle, Paul Magino, Martin Sayer, Martin Schwer, Martin Stöffelmaier, Walter Stöffelmaier, Helmut Streit
 

Eine Kopie dieses Briefes geht an die Mitglieder der AGR
 
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Brief von Klaus und Renate Barwig, 31.07.1999

Klaus und Renate Barwig                              Frommenhauserstrasse 28
                                                                    72145 Hirrlingen, den 30.07.1999
 

Schwabenverlag AG
Vorstand
Herrn Udo Vogt
Postfach 4280

75745 Ostfildern
 

Sehr geehrter Herr Vogt,

Hiermit bestellen wir unser Abonnement des Kath. Sonntagsblattes zum nächstmöglichen Termin ab.

Lassen Sie uns diesen Schritt kurz erklären:

Die Leserinnen und Leser des Kath. Sonntagsblattes wurden durch eine kurze Notiz der Verlagsleitung von der Kündigung des Chefredakteurs Uwe Renz informiert. Wer hoffte, dass sich die Verlagsleitung in einer der nächsten Ausgaben mit den inzwischen aus der Tagespresse bekanntgewordenen Argumenten auseinandersetzen würde und dem selbstgesetzten Anspruch eines Organs, das einen wesentlichen Beitrag für die innerdiözesane Öffentlichkeit zu leisten hat, gerecht werden würde, sah sich getäuscht: In einer der nächsten Ausgaben folgte lediglich eine Aneinanderreihung von Behauptungen und teilweise außerordentlich schwerwiegenden aber jedoch unbewiesenen Vorwürfen.

Leserbriefe zur Sache haben wir im Kath. Sonntagblatte bis heute vergeblich gesucht. Deshalb sahen wir uns veranlaßt, die für unsere Meinungsbildung wichtigen Informationen anderweitig zu besorgen.

Danach müssen wir inzwischen davon ausgehen, dass eine Vielzahl von Leserbriefen zu dieser Angelegenheit die Redaktion bzw. den Schwabenverlag erreicht hat, die Verlagsleitung sich jedoch gegenüber der Redaktion ausdrücklich die Entscheidung über deren Veröffentlichung vorbehalten hat. Wir haben mit unserem Schritt einer Kündigung lange genug gewartet und wollten nichts überstürzt tun. Dass es sich ein Verlag jedoch offensichtlich leisten kann, 6 Wochen nach der Kündigung und mehreren Initiativen auch aus dem Bereich hauptamtlicher kirchlicher Mitarbeiter jede öffentliche Diskussion zu verhindern, hat uns irritiert und verärgert. Schliesslich bezahlen wir für diese Zeitung und schliesslich handelt es sich beim Sonntagsblatt um kein kostenloses Mitgliederblättchen – die interessanterweise den Vergleich nicht zu scheuen brauchen: Als Bezieher verschiedener Mitgliederzeitschriften wie z. Bsp. die des ADAC oder des T-Online-Dienstes der Deutschen Telekom stellten wir fest, dass diese kostenlos und unaufgefordert uns erreichenden Druckwerke es nicht scheuen, auch kritischen und dem Image der jeweiligen Institutions- bzw. Firmeninteressen offenkundig abträglichen Äusserungen in ihren jeweiligen Leserbriefspalten Raum zu geben.

Wir sind deshalb nicht bereit, diese allen Prinzipien eines in pluralistischen Gesellschaften wie der unseren und auch mittlerweile in unserer Kirche üblichen Diskussionsstils widersprechenden Gepflogenheiten auch noch mit unserem Abonnement zu fördern.

Im Rahmen unserer Meinungsbildung fiel uns auf, dass intern wie auch extern ein Argumentationsstil an den Tag gelegt wurde, den wir - vorsichtig ausgedrückt - für unprofessionell und unserer Kirche schädigend interpretieren müssen:

- Wenn die Verlagsleitung - konfrontiert mit dem Vorwurf, der Chefredakteur habe binnen einer Stunde das Haus verlassen müssen – lediglich antwortet, es gebe kein Hausverbot, dann ist das einfach nur die halbe Wahrheit: Sie können uns gerne widerlegen, dass Herr Renz am 18. Juli auf Ihre Anweisung um 12.30 Uhr den Schreibtisch geräumt haben musste.

- Wenn die Verlagsleitung der verbliebenen Redaktion noch am Tag der Kündigung von Herrn Renz die Qualität des Blattes (“eine der besten Kirchenzeitungen in Deutschland”) bescheinigt und die Redaktion auffordert, den eingeschlagenen Kurs zu halten, dann geht die Frage nach der “undichten Stelle” innerhalb der Redaktion doch wohl eher am Problem vorbei.

- Wenn jetzt zu hören ist, man sei überrascht über die massiven Reaktionen, dann hat man offensichtlich sowohl einen Teil der Leserschaft (zu der wir uns auch zählten) als auch Stimmen im Domkapitel entweder unterschätzt oder bewußt ignoriert.

Dass die Leitung des Verlages nach Weggang des Diözesanbischofs und gegen den Versuch des Diözesanadministrators um Aufschub die Kündigung dennoch durchzieht, lässt die Frage aufkommen, ob hier materielle und ideelle Verluste ganz bewusst in Kauf genommen wurden und eine gütliche Einigung gar nicht mehr intendiert war. Da hilft es auch nichts, wenn immer bei verschiedenen Gelegenheiten von verantwortlicher Seite auf die unzähligen vergeblichen Versuche (es war die Rede von mehr als 50) hingewiesen wurde, mit Herrn Renz zu einer Einigung zu kommen. Wir haben uns informiert, dass dies der Wahrheit nicht entspricht.

So müssen wir nach all dem, was uns an Stellungnahmen und Erklärungen zugänglich war, zu dem Schluss kommen, dass eine mehrheitlich im Kirchenbesitz befindliche Aktiengesellschaft sich zwar in ideologischen Fragen ihrer direkten Nähe zum Mehrheitseigner und Herausgeber bewusst ist und hieraus auch den Grossteil der Kündigungsgründe ableitet, sich aber bei der Kündigung nicht besser verhält, als jede andere, ausschliesslich Kapitalinteressen verpflichtete Firma dies tun würde. Sollte es  dann auch noch zutreffen, was wir wiederholt zu hören bekamen, dass sich ein quasi kirchlicher Eigenbetrieb einen Vorstand leistet, dessen finanzielle Ausstattung etwa dem vierfachen eines kirchlichen Mitarbeiters im Range eines Pastoralreferenten entspricht, dann würde sich für uns nochmals verschärft die Frage der Professionalität und Sensibilität im Management dieses Konfliktes stellen, ganz abgesehen von Bemühungen um (eigentlich nachvollziehbare) Einsparungen angesichts des zu verzeichnenden Rückgangs auf der Einnahmenseite des Kirchensteueraufkommens..
 
Wir haben im Rahmen unserer kirchlichen Berufstätigkeit, die von vielfältigen Kontakten geprägt ist, in den vergangenen Jahren aus innerer Überzeugung für das Sonntagblatt werben können. Wir sind nach anfänglichen Vorbehalten unserer Gesprächspartner fast immer so weit gelangt, dass man versprach, das Sonntagsblatt in Ruhe und unvoreingenommen zu studieren. Oft hatten wir zurückliegende Ausgaben als Ansichtsexemplare dabei. Wir wissen nicht, wieviele neue und für Sie eigentlich “interessante” (weil jüngere und in unserer Diözese engagierte) Abonnenten durch unsere Werbung aus Überzeugung gewonnen werden konnten. Selbst unsere gerade erwachsen gewordenen Kinder griffen ab und zu mit der Bemerkung “gar nicht so schlecht” zum Sonntagsblatt.

Diejenigen, die diese Kündigung zu diesem Zeitpunkt “durchgezogen” haben, haben nach unserer bisherigen Überzeugung dem Ansehen unserer Diözese und der wirtschaftlichen Situation des Blattes mehr geschadet als genutzt. Dies konnte man (s.o.) voraussehen. Das macht uns besonders ärgerlich. Eine mehr als 20jährige haupt- und ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen Bereichen unserer Diözese mag verhindern, unser Urteil als leichtgewichtig abzutun.

Wir haben verschiedene Ihrer Antwortbriefe auf ähnliche Schreiben zur Kenntnis bekommen. Sollten Sie auf die im Rahmen unserer Ausführungen aufgeworfenen konkreten Fragen auskunftsbereit sein, würde und dies freuen. Sie werden verstehen, dass wir vor dem Hintergrund der geschilderten Erfahrungen hierfür um so dankbarer wären.

Mit freundlichen Grüssen
Klaus Barwig              Renate Barwig
 

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Brief von Prof. Dr. Willibald Bösen, 
23. August 1999

Professor
Dr. Willibald Bösen

Fakultät für Katholische Theologie
Universität Bielefeld                                                            Bielefeld, den 23. August 1999
 

An den Herrn Diözesanadministrator
Weihbischof Dr. Johannes Kreidler
 

Sehr geehrter Herr Weihbischof,

bedingt durch ein überhartes Sommersemester, das mir wenig Zeit für Nichtdienstliches ließ, erfahre ich erst heute von der fristlosen Kündigung des Chefredakteurs des Kath. Sonntagsblattes im Juni, von Herrn Uwe Renz

Diese Nachricht macht mich deshalb so betroffen, weil ich seit drei Jahren an dieser Zeitung, wenn auch nur gelegentlich (zuletzt im Februar / März ds. Js. zum Thema „Vater unser“) mitarbeitete und in Gesprächen Herrn Renz immer wieder in seiner theologisch-publizistischen „Richtung“ bestätigte und ermunterte. Seine Entlassung trifft daher auch indirekt mich.

Erlauben Sie mir zwei kritische Anmerkungen!

Zum einen erschüttert mich die Art und Weise des Vorgehens . Als neutestamentlicher Exeget, der sich seit Jahrzehnten auf den Spuren des historischen Jesus bewegt, bin ich ratlos, wie sich die „Umgangsformen“ im Kreis der Jesusjünger seit 2000 Jahren verändert haben. Wo ist im vorliegenden Fall noch etwas von der Ethik Jesu zu spüren? Daß die „Welt“ sich im Augenblick so rücksichtslos und brutal verhält, verwundert angesichts der allgemeinen menschlich-sittlichen Verrohung nicht. Doch will bzw. soll bzw. muß die Kirche nicht gerade in dieser Zeit Sakrament, d. h. durchscheinendes und eschatologische Wirklichkeit punktuell realisierendes Zeichen sein, um in dieser so negativen Welt Hoffnung zu geben? Ich fange an zu stottern, wenn ich nach dem was ich aus Stuttgart höre, jungen Menschen zum Thema „Kirche“ Rede und Antwort stehen soll. Denkt die Kirche eigentlich nicht an uns Laien, die wir in vorderster Front stehen und die „Prügel“ für das einstecken müssen, was „die dort oben“ entscheiden? Bischof Walter Kasper sitzt weit weg im schönen-sonnigen Rom, ich dagegen habe die Aufgabe, in einer liberalen-theologiefeindlichen-atheistischen Universität das Evangelium zu verkünden. Wo Bischöfe und Priester auftreten, empfängt und umgibt sie meist ein freundlicher „Dunstkreis“, mir dagegen hält man mit kritischem Unterton solche Entscheidungen wie die aktuelle vor und erwartet eine Erklärung.

* Zum anderen zwingt mich die Entlassung von Herrn Renz zu einer inhaltlichen Bemerkung. Ohne hier andere Bistumsblätter (ich kenne mehrere!) in einer unsachlichen Schwarzweißmalerei abzuwerten, darf ichfür das von Herrn Renz betreute Kath. Sonntagsblatt feststellen, daß es interessant, kurzweilig, informativ und gefällig gestaltet war (der Konvent der Benediktinerinnen von Varensell im nahegelegenen Rietberg, eine treue Abonnentin, bestätigt mich in meinem Urteil). In den hier dargebotenen Beiträgen von Pfarrern, Ordensleuten, GemeindereferentInnen und Laien habe ich dankbar eine Theologie erkannt, die dem modernen Menschen zur Kraftquelle werden kann, von der ich sagen kann, daß sie von vielen Menschen gesucht wird, die auch die meine ist.

Ich lade Sie herzlich zu meiner Vorlesung mittwochs von 10 bis 12 Uhr an die Universität Bielefeld ein (im WS lese ich über die Auferstehung!). Seit Jahren schon sind diese Vorlesungen von bis zu 200 (zweihundert) Teilnehmern aus allen berufsgruppen (LehrerInnen, JuristInnen, MedizinerInnen, Hausfrauen u. a.) besucht. Ich nenne Ihnen diese Zahl nur, um Ihnen zu zeigen, daß der Hunger nach Theologie im Sinne der Rückfrage nach Gott und seinem fleischgwordenen Sohn immens ist. Keine andere Theologie habe ich im Kath. Sonntagsblatt vertreten, keine andere Theologie habe ich in den Beiträgen der MitautorInnen ausmachen können.

Die Vorstellung, daß vielleicht die Kritik sogenannter „Frommer“, wie sie im Augenblick im saarländischen Marpingen auftreten und in den Medien „vorgeführt“ werden, mitverantwortlich für die Entlassung von Herrn Renz sein könnte, macht mir Angst. Nicht, weil auch ich um meine Entlassung fürchten müßte, sondern weil hier Gott und Jesus in einer Weise verzerrt werden, die an Blasphemie grenzt. Das ist nicht Gott, wie ihn uns die Bibel vorstellt, und auch nicht Jesus, sein Ebenbild. Im Kath. Sonntagsblatt hatte Ihr Bistum eine gute Informationsquelle für „moderne“ Menschen im besten Sinn des Wortes.

Sehr geehrter Herr Weihbischof, ich darf Sie als den verantwortlichen Administrator herzlich bitten, die Entscheidung gegen Herrn Renz noch einmal zu überdenken. Sie dürfen gewiß sein, daß ich Sie nicht leichtfertig, aus einer falsch verstandenen Sympathie und in jugendlichem Übereifer erbitte (ich bin „leider“ schon über die 60), sondern in großer, ja, - ich bin so verwegen zu behaupten - in leidenschaftlicher Sorge und Verantwortung für die Kirche (auch Laien können an dieser Kirche leiden). Die Entlassung von Herrn Renz steht nicht nur formal, sondern auch inhaltlich dem Evangelium diametral entgegen.

Mit hochachtungsvollem freundlichen Gruß

Prof. Dr. Willibald Bösen
 

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Stefan Cammerer in „gemeinde aktuell“, Giengen/Brenz, 15. Januar 2000

Was ist aus dem Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes geworden?

Im Juni vergangenen Jahres wurde ihm gekündigt, dem Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes Uwe Renz. Eine breite Front der Empörung machte sich in der Diözese breit und es hagelte Abbestellungen des Sonntagsblattes. Der offizielle Grund der Kündigung lautete in der Presseerklärung der Diözese: „erhebliche Probleme in der Zusammenarbeit mit der Verlagsleitung“. Allerdings war von Anfang an deutlich, daß die etwas offenere und kritischere Berichterstattung vom Bischof so nicht gewünscht war (siehe ga Nr. 8/1999). So wurde auch bei der gerichtlichen Anhörung im Juli als Kündigungsgrund vom Rechtsanwalt des Schwabenverlages ins Feld geführt, Renz habe immer wieder gegen die Richtlinien von Herausgeber Bischof Kasper verstoßen.

Dem Prozeß aus dem Weg gegangen

Es drohte eine Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht mit wenig Erfolgsaussichten für die Diözese, dem die derzeit amtierende Diözesanleitung dadurch entging, daß sie Uwe Renz in einer außergerichtlichen Einigung eine attraktive Stelle anbot. Welcher verantwortlich handelnde Familienvater würde da zögern und einem Verfahren den Vorzug geben, das zwar die volle Wahrheit über die Kündigung auf den öffentlichen Tisch brächte, aber in einer einmaligen finanziellen Abfindung endete, da auch bei Gewinn eines Prozesses eine Wiedereinstellung als Chefredakteur aufgrund des bis dahin sicher zerrütteten Verhältnisses kaum infrage käme.

Fragen bleiben

Nun arbeitet Uwe Renz als Leiter der Geschäftsstelle des Stadtdekanates Stuttgart wieder an einer maßgeblichen Stelle innerhalb der Diözese, darüber kann man froh sein. Doch es bleibt schon ein sehr schaler Nachgeschmack: die Kündigung wird weiterhin als unfair empfunden, die Qualität des Kath. Sonntagsblattes ist mehr als gefährdet, denn der fehlende Mann in der Redaktion soll nicht ersetzt werden, wie zu hören ist (bei einer ohnehin schon minimalen Besetzung), und auch die von vielen begrüßte Offenheit des Sonntagsblattes, für die Uwe Renz stand, ist - entgegen aller verbalen Beteuerungen - deutlich beschnitten. Soll ein solches Konzept in die Zukunft führen?

Stefan Cammerer

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Presserklärung der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Schwabenverlag trennt sich von Chefredakteur des Sonntagsblattes

Rottenburg (drs). Wegen erheblicher Probleme in der Zusammenarbeit mit der Verlagsleitung hat sich der Schwabenverlag in Ostfildern am Freitag, 18. Juni, vom Chefredakteur des Katholischen Sonntagsblattes, Uwe Renz, durch Kündigung des Dienstvertrages zum 31. Dezember 1999 getrennt. Diese Entscheidung wurde im März vom Verlag in Einvernehmen mit dem Herausgeber des Sonnatsgblattes, Bischof Dr. Walter Kasper, getroffen, wegen Bemühungen um eine gütliche Einigung aber jetzt erst ausgesprochen. Der 40jährige Journalist und Theologe leitete seit 1. Juli 1994 die Redaktion des Blattes. Über die Nachfolge ist noch nicht entschieden. Kommissarisch übernimmt die Leitung der bisherige stellvertretende Chefredaktuer Reiner Schlotthauer. (drs/kwh)

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© 14.01.2000 AGR

eMail-Anschrift des Webmasters: Stefan.Cammerer“ät“web.de
(Die eMail-Anschrift wird hier leicht „verschlüsselt“ angegeben, um sie vor Mißbrauch zu schützen.
Sie können Sie leicht decodieren, indem Sie statt „ät“ @ schreiben.)