Aktionsgemeinschaft Rottenburg
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Votum der Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR)
zum Einsatz ausländischer Priester in der Gemeindepastoral
der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Schon seit langem wirken ausländische Priester in unseren Gemeinden: in den Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache, während ihres Promotionsstudiums, als Urlaubsvertretungen, für eine befristete Zeit als „Fidei-donum-Priester“. In der letzten Zeit sind wieder vermehrt ausländische Priester in unserer Diözese angestellt worden. Die Hauptabteilung V (Pastorales Personal) arbeitet derzeit an einem Konzept für die Auswahl, Einführung, Ausbildung und Begleitung ausländischer Priester.
Wir haben uns auf dem Hintergrund eigener Erfahrungen und grundsätzlicher Überlegungen mit dem Dienst ausländischer Priester in unserer Diözese befasst. Unsere Einschätzung möchten wir mit diesem Votum zum Ausdruck bringen.
Das Thema „Einsatz ausländischer Priester“ hat unseres Erachtens zwei Ebenen, die beide zu berücksichtigen sind.
1. Es geht um eine grundsätzliche Entscheidung mit weiter reichenden Konsequenzen.
Die Entscheidung unserer Bistumsleitung, weiterhin und in Zukunft wohl noch vermehrt ausländische Priester zur Aufrechterhaltung der Seelsorge in unseren Gemeinden bzw. zur Gewährleistung priesterlicher Dienste anzuwerben bzw. „proaktiv auszuwählen“ und dann für einen befristeten mehrjährigen Dienst anzustellen, hat Einfluss auf die grundsätzliche Diskussion über Lösungen für die derzeitige pastorale Situation, besonders über den Dienst der Leitung und die Gestaltung einer kooperativen Pastoral. Es ist um der Redlichkeit willen klar zu benennen, dass viele dieser Priester nicht zuerst (!) aus weltkirchlichem Interesse zum Einsatz kommen. Sie sind vielmehr eine (Not)Lösung für den bei uns vorherrschenden Priestermangel – mit einem in der Tat sich ergebenden „weltkirchlichen Gewinn“.
Auch wenn es beim vermehrten Einsatz ausländischer Priester in unseren Gemeinden darum geht, auf akute Notlagen zu reagieren, signalisiert diese Entscheidung zugleich, dass dieser Weg anderen Lösungswegen vorgezogen wird bzw. dass Alternativen nicht gesehen oder nicht für denkbar gehalten werden. Dass solche Alternativen diskutiert werden, ist bekannt. Wir verweisen auf das so genannte „Lobinger-Modell“, das wir in unserem Positionspapier „Priester-Sein in der Gemeinde von morgen“ im Jahr 2004 aufgegriffen haben, bei dem andere Formen des ordinierten Dienstes entwickelt werden, ohne den Zölibat grundsätzlich aufzugeben. Wir denken auch an die Diskussion um den Diakonat der Frau oder an eine Weiterentwicklung der kooperativen Pastoral, bei der unsere ausgebildeten Theologinnen und Theologen noch stärker in die Leitung der Gemeinden mit einbezogen werden.
Uns geht es darum, diesen Kontext der Entscheidung für einen vermehrten Einsatz ausländischer Priester in den Blick zu nehmen und transparent zu machen.
2. Wir halten den vermehrten Einsatz von ausländischen Priestern für keine Lösung der durch den derzeitigen Priestermangel bestehenden Probleme in der Gemeindepastoral. Wir freuen uns aber nach wie vor, wenn ausländische Priester in den Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache Dienst tun oder im Sinne eines weltkirchlichen Austausches für eine befristete Zeit in unseren Gemeinden mitarbeiten und dort Erfahrungen sammeln.
Wenn aber ausländische Priester trotz aller Bedenken in der Seelsorge bei uns längerfristig eingesetzt werden, braucht es eine praxistaugliche Gestaltung dieses Weges.
Dazu bedarf es eines Konzepts, das eine Einführung und Ausbildung der Kandidaten vorsieht und ebenso die Vorbereitung und Einbeziehung der anderen Beteiligten – Pfarrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Gemeinden – im Blick hat.
Die „kritischen Punkte“, die es dabei zu berücksichtigen gilt, sind in der Untersuchung des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster aus dem Jahr 20071 umfassend aufgezeigt.
Wir haben allerdings die Befürchtung, dass unter den derzeitigen gesellschaftlichen wie strukturellen Bedingungen, in denen ausländische Priester bei uns arbeiten müssen, eine gelingende Pastoral nur bei intensiver und kompetenter Einführung und Begleitung möglich ist. Die ausländischen Mitbrüder müssen in den meisten Fällen die ganze Vielfalt seelsorgerlicher Aufgaben übernehmen. Dazu sind sehr gute Sprachkenntnisse und eine Integration in unsere säkulare wie kirchliche Gesellschaft unabdingbar. Wir befürchten, dass es nicht selten zu einer Überforderung der ausländischen Priester und/oder der Gemeinden kommt.
Wir fordern, dass die Diskussion über den Einsatz ausländischer Priester in unseren Seelsorgeeinheiten und Gemeinden in den diözesanen Beratungsgremien (Priesterrat und Diözesanrat) geführt wird.
Wendlingen im November 2010
Hauptversammlung der AGR
Geschäftsführender Ausschuss der AGR
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1 Die Ergebnisse sind zusammengefasst in: Herder Korrespondenz 64 (9/2010), 456-460.